Angststörung: Dieser Nährstoff fehlt vielen Betroffenen

Hanke Huber  |  21.05.2026 15:27 Uhr

Forscher haben erstmals ein klares chemisches Muster im Gehirn von Menschen mit Angststörungen entdeckt. Demnach haben viele Menschen mit Ängsten deutlich weniger Cholin im Gehirn, ein Nährstoff, der dort eine wichtige Rolle spielt.

Ein Neurologe erklärt einer jungen Frau etwas anhand eines Gehirnmodells.
Erklärung von Gehirnregionen: Bei Angststörungen spielen die Amygdala und der präfrontale Cortex eine besonders große Rolle. Doch auch Cholin scheint wichtig zu sein, so eine Studie.
© AndreyPopov/iStockphoto

Auffällige Unterschiede im Gehirn

Wissenschaftler von der University of California – Davis Health fanden im Gehirn von Menschen mit Angststörungen deutlich geringere Mengen an Cholin als bei Menschen ohne Ängste. Der Cholin-Pegel lag bei ihnen um 8 Prozent niedriger als in der Kontrollgruppe. Das Muster zeigte sich besonders deutlich im präfrontalen Cortex. Dieser Bereich hilft dabei, Gedanken zu ordnen, Emotionen zu kontrollieren und Stressreaktionen zu regulieren. 

Warum Cholin für das Gehirn wichtig ist

Cholin ist ein essenzieller Nährstoff, der wichtige Prozesse im Nervensystem unterstützt. Der Stoff hilft unter anderem dabei, Zellmembranen aufzubauen und Signale zwischen Nervenzellen weiterzuleiten. Außerdem spielt er eine Rolle für Gedächtnis, Konzentration und emotionale Stabilität. Der Körper kann ihn nur in geringen Mengen selbst produzieren. Der Rest muss über die Ernährung aufgenommen werden. Cholin steckt in vielen alltäglichen Lebensmitteln. Besonders gute Quellen sind Rinderleber, Eier – vor allem das Eigelb –, Rindfleisch, Hähnchen, Fisch, Sojabohnen und Milch.

Mehr als 700 Gehirnscans ausgewertet

Für die Untersuchung werteten die Wissenschaftler Daten aus 25 früheren Studien aus. Insgesamt flossen Hirnscans von mehr als 700 Personen in die Analyse ein. „Diese ist die erste Meta-Analyse, die ein chemisches Muster im Gehirn bei Angststörungen zeigt“, sagt Studienautor und Psychiater Jason Smucny. 

Wie die Angst und Stress verarbeitet

Angststörungen hängen mit der Art und Weise zusammen, wie das Gehirn auf Stress, Gefahr und Unsicherheit reagiert. Besonders wichtig sind dabei zwei Hirnregionen: die Amygdala, die einschätzt, ob eine Situation sicher oder bedrohlich ist, und der präfrontale Cortex, der Gefühle kontrolliert sowie Entscheidungen und Planung unterstützt. Funktioniert dieses System gut, kann das Gehirn meist zwischen alltäglichen Problemen und echten Gefahren unterscheiden. Bei Angststörungen gerät dieses Gleichgewicht jedoch aus der Balance. Normale Sorgen können plötzlich überwältigend wirken, während die Stressreaktion des Körpers nur schwer wieder herunterfährt.

Dauerhaft in Alarmbereitschaft erhöht den Bedarf

Die Forscher vermuten, dass dauerhafter Stress und innere Alarmbereitschaft den Bedarf des Gehirns an Cholin steigern könnte. Reicht der Bedarf nicht aus, sinken die Werte im Gehirn möglicherweise ab. Das bedeutet aber nicht, dass Cholin-Präparate automatische gegen Angst helfen. Studienleiter Richard Maddock warnt ausdrücklich davor, Nahrungsergänzungsmittel unkontrolliert einzunehmen. Die Forschung dazu stehe noch am Anfang steht. 

Quelle: DOI 10.1038/s41380-025-03206-7

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