Alkohol: Schon ein Bier täglich lässt das Gehirn schrumpfen

Dr. Karen Zoufal  |  02.03.2026 15:53 Uhr

Das Feierabendbier ist harmlos, oder? Studiendaten legen nahe, dass das ein Trugschluss sein könnte. Schon geringe Mengen Alkohol können das Gehirn messbar schrumpfen lassen. Je mehr ein Mensch trinkt, desto deutlicher zeigen sich Veränderungen im Gehirn.

Drei Männer, stoßen mit Bier an.
Schon ein Feierabendbier lässt das Gehirn altern - zumindest, wenn es regelmäßig getrunken wird.
© Ridofranz/iStockphoto

Alkohol beeinflusst das Hirnvolumen früher als gedacht

Dass starker Alkoholkonsum dem Gehirn schadet, ist seit Langem bekannt. Eine Studie in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ zeigt jedoch, dass bereits leichter bis mäßiger Alkoholkonsum mit einem geringeren Hirnvolumen verbunden ist.

Für die Untersuchung analysierten Forscher die MRT-Aufnahmen von mehr als 36.000 Erwachsenen. Das Ergebnis: Schon ab etwa einem kleinen Bier pro Tag ließ sich eine Verringerung des Hirnvolumens feststellen. Die Veränderungen betrafen Struktur und Größe des Gehirns – Faktoren, die eng mit geistiger Leistungsfähigkeit zusammenhängen.

Je mehr Alkohol, desto stärker schrumpft das Gehirn

Besonders deutlich wurde der Zusammenhang mit steigender Trinkmenge. Bei einem 50-Jährigen entsprach der Unterschied zwischen einem viertel Liter und einem halben Liter Bier pro Tag Veränderungen im Gehirn, die einem Altersunterschied von rund zwei Jahren gleichkommen.

Noch drastischer: Der Unterschied zwischen keinem Alkohol und etwa einem Liter Bier täglich ging mit Veränderungen einher, die mehr als zehn Jahren zusätzlicher Gehirnalterung entsprachen.

Die Daten deuten darauf hin, dass die Wirkung von Alkohol auf das Gehirn nicht linear verläuft. Vielmehr scheint sie exponentiell zu sein. Das bedeutet: Jedes zusätzliche Getränk wirkt sich stärker aus als das vorherige. Anders gesagt: Wer viel trinkt, kann besonders stark profitieren, wenn er seinen Alkoholkonsum reduziert.

Widerspruch zu bisherigen Empfehlungen für „sicheren“ Alkoholkonsum

„Diese Ergebnisse stehen im Gegensatz zu wissenschaftlichen und staatlichen Richtlinien zum sicheren Trinken“, sagte Henry Kranzler, Leiter des Center for Studies of Addiction an der Universität Pennsylvania. Bisherige Empfehlungen beruhten auf älteren Studien, die bei moderatem Alkoholkonsum keine klaren negativen Effekte zeigen konnten. Allerdings basierten sie nicht auf Datensätzen in dieser Größenordnung.

Langfristiger Einfluss auf die geistige Leistungsfähigkeit

Die Studie zeigt vor allem eines: Es gibt vermutlich keine völlig risikofreie Menge an Alkohol, wenn es um die Gesundheit des Gehirns geht. Schon kleine Veränderungen im Hirnvolumen können langfristig Einfluss auf Gedächtnis, Konzentration und geistige Leistungsfähigkeit haben. Wer seinen Alkoholkonsum reduziert, unterstützt aktiv seine Gesundheit seines Gehirns. 

Quelle: DOI 10.1038/s41467-022-28735-5

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