Kreatin gegen Depression: Erste Studien liefern ein gemischtes Bild

Wolf Löchel  |  06.07.2026 11:03 Uhr

Kreatin gilt als Klassiker unter den Nahrungsergänzungsmitteln für Sportler. Jetzt untersuchen Forscher, ob es auch depressive Beschwerden lindern könnte. Eine neue Analyse liefert erste positive Signale, reicht für eine Empfehlung aber noch nicht aus.

Junger Mann im Gespräch mit Ärztin.
Kreatin könnte die Behandlung von Depressionen ergänzen.
© AnnaStills/iStockphoto

Kreatin gehört zu den beliebtesten Nahrungsergänzungsmitteln im Sport und soll Kraft und Muskelleistung verbessern. Ein Forschungsteam der Universität Ottawa ist nun einer ganz anderen Frage nachgegangen: Kann Kreatin auch depressive Beschwerden lindern? Die Idee dahinter: Auch das Gehirn benötigt viel Energie, und Kreatin spielt bei der Energieversorgung eine Rolle. Die bisherige Forschung ergibt allerdings kein klares Bild: Zwei Studien fanden Vorteile, drei nicht. Zudem stützt sich die gesamte Auswertung lediglich auf 238 Teilnehmer.

Fünf Studien liefern ein gemischtes Ergebnis

Statt einer neuen Studie werteten die Forschenden vorhandene Daten aus. Sie fanden fünf kontrollierte Studien, an denen überwiegend Frauen, im Schnitt 36 Jahre alt, teilgenommen hatten. Weil sich die Studien in Aufbau und Methodik stark unterschieden, betrachteten die Forschenden sie einzeln, statt die Daten zusammenzurechnen.

Das Bild fiel zweigeteilt aus. In zwei Studien, beide mit Frauen mit einer Depression, brachte Kreatin zusätzlich zur üblichen Behandlung einen Vorteil. In einer davon besserten sich die Beschwerden deutlicher, wenn die Teilnehmerinnen zum Antidepressivum täglich fünf Gramm Kreatin einnahmen. Eine weitere Studie kombinierte Kreatin mit einer Verhaltenstherapie, auch hier mit stärkerer Besserung.

Drei andere Studien fanden dagegen keinen Nutzen, darunter eine mit Jugendlichen und eine bei Menschen, deren Depression zuvor nicht auf Medikamente angesprochen hatte. „Das Signal ist interessant, aber kein Urteil", fasst Erstautor Bassam Jeryous Fares zusammen.

Warum Kreatin im Gehirn überhaupt wirken könnte

Der Ansatz, Kreatin gegen Depressionen einzusetzen, beruht auf dem Energiestoffwechsel des Gehirns. Bei Menschen mit Depressionen fanden frühere Untersuchungen Veränderungen im Kreatin-Stoffwechsel des Gehirns. Kreatin könnte zudem Botenstoffe wie Dopamin und Serotonin beeinflussen, die für die Stimmung wichtig sind. Diese Zusammenhänge sind allerdings bislang theoretisch und nicht bewiesen. 

Für wen Kreatin problematisch sein kann

Einen wichtigen Hinweis geben die Forschenden dennoch: Zwei Teilnehmende mit einer bipolaren Störung entwickelten unter Kreatin eine leichte oder ausgeprägte Manie. Für Menschen mit einer bestehenden psychischen Erkrankung wie einer bipolaren Störung ist es daher ratsam, eine Einnahme vorab ärztlich zu besprechen.

Reicht das schon für eine Empfehlung?

Für einen Einsatz von Kreatin gegen Depressionen ist die Datenlage noch zu dünn. Die Studien waren klein, umfassten überwiegend Frauen und schwankten in ihrer Qualität. Zwei Studien wiesen in die eine Richtung, drei in die andere. Für belastbare Aussagen braucht es größere und längere Untersuchungen. Bis dahin bleibt Kreatin gegen Depression eine spannende Möglichkeit, aber keine gesicherte Behandlung.

Ob Kreatin darüber hinaus dem Gedächtnis und der geistigen Leistung hilft, ist ebenfalls Gegenstand der Forschung. Lesen Sie dazu den Beitrag Hilft Kreatin tatsächlich dem Gehirn? auf aponet.de. 

Quelle: DOI 10.61373/bm026l.0039

WhatsApp Kanal Banner
Medikamente ohne Zuzahlung

Alle zwei Wochen neu: die aktuelle Liste der zuzahlungsfreien Arzneimittel.

Arzneimitteldatenbank

Medikamenten-Name oder Wirkstoff eingeben für mehr Informationen.

Podcast
Podcast-Logo "aponet in 3 Minuten"
Podcast
Gesundheitspolitik

Im Fokus diesmal: Vitaminpräparate für Kinder, Mikrobiom-Selbsttests und neue Aufgaben für…

Krankheiten von A - Z

In diesem Lexikon finden Sie umfassende Beschreibungen von etwa 400 Krankheitsbildern

nach oben