Küchenschwamm kann voller Salmonellen sein - ohne zu riechen

Wolf Löchel  |  06.07.2026 14:58 Uhr

Ein Küchenschwamm kann Millionen krankmachender Keime enthalten, ohne auffällig zu riechen oder anders auszusehen. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, wie schnell sich Salmonellen und andere Bakterien vermehren und wann der Schwamm entsorgt werden sollte.

Mann hält zwei Schwämme in der Hand, einer neu, einer abgenutzt
Der Abnutzungsgrad verrät wenig: Auch ein neuwertig aussehender Schwamm kann stark mit Keimen besiedelt sein.
© Ladanifer/iStockphoto

Ein sauber wirkender Küchenschwamm ist längst nicht sauber. Nach einer Untersuchung des Bundesinstituts für Risikobewertung können sich darin Salmonellen, E. coli und andere Krankheitserreger innerhalb weniger Tage stark vermehren. Sichtbar oder riechbar ist das meist nicht.

Warum sich Keime im Küchenschwamm so schnell vermehren

Ein Küchenschwamm bietet Bakterien nahezu perfekte Bedingungen. Seine poröse Oberfläche und die dauerhafte Feuchtigkeit bilden ein ideales Reservoir, und Lebensmittelreste im Schwamm liefern die Nährstoffe zum Wachsen. Deshalb sind Schwämme meist schon kurz nach Nutzungsbeginn dicht besiedelt, in der Regel stärker als Spüle oder Schneidebrett.

Für ihre Untersuchung gaben die Forschenden Lösungen mit verschiedenen Bakterien wie Salmonellen auf Schwämme. Alle Bakterien vermehrten sich schon aus geringer Ausgangsmenge innerhalb weniger Tage erheblich und überstanden sogar eine mehrtägige Austrocknung. Bereits leichter Druck genügte, um sie auf andere Oberflächen zu übertragen. Gelangen die Keime auf Lebensmittel, die roh verzehrt werden, können schon geringe Mengen eine Infektion auslösen.

Warum Sie einen belasteten Küchenschwamm oft nicht erkennen

Der wichtigste Befund betrifft ein verbreitetes Missverständnis. Viele Menschen tauschen ihren Küchenschwamm erst, wenn er schmutzig aussieht oder unangenehm riecht. Genau das ist trügerisch: Auch bei hoher Keimzahl zeigten die Versuchsschwämme keine sichtbaren Veränderungen, keinen auffälligen Geruch, keine schmierige Oberfläche. Das Aussehen ist damit ein unzuverlässiger Anhaltspunkt dafür, wann ein Wechsel nötig ist.

Und die Gefahr ist real: Lebensmittelinfektionen entstehen häufiger im eigenen Haushalt, als viele denken. „Nicht wenige Lebensmittelinfektionen haben ihren Ursprung im Privathaushalt und nicht immer sind sie mit ein, zwei Tagen Unwohlsein überstanden“, sagt BfR-Präsident Andreas Hensel. Besonders für ältere oder kranke Menschen und kleine Kinder können solche Infektionen gefährlich werden. 

Wie oft sollte man den Küchenschwamm wechseln?


Eine feste Regel für alle gibt es nicht, es hängt von der Nutzung ab. Als Orientierung empfiehlt das Bundeszentrum für Ernährung, Spültücher und Küchenschwamm mindestens einmal pro Woche auszutauschen. Wer in der Küche häufig rohe Lebensmittel verarbeitet, sollte den Schwamm noch öfter wechseln. Wurde er zum Abwischen von Flächen benutzt, die mit rohem Fleisch in Kontakt gekommen waren, gehört er sofort in den Müll. In Haushalten mit kranken oder alten Menschen oder kleinen Kindern ist ebenfalls ein häufigerer Wechsel ratsam. Da das Aussehen kein verlässlicher Anhaltspunkt ist, gilt: lieber öfter als zu selten.

Sind Bürste und Mikrofasertuch hygienischer als ein Schwamm?

Eine Überlegung wert sind Alternativen zum Schwamm. Bürsten oder Mikrofasertücher weisen laut früheren Studien geringere Keimzahlen auf. Sie trocknen schneller und lassen sich in Spül- oder Waschmaschine reinigen, am besten bei mindestens 60 Grad.

Quelle: DOI 10.1016/j.jfp.2026.100794

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