Warum vergisst der Mensch Dinge, die er gerade gesehen hat und kann sich gleichzeitig über Jahrzehnte mühelos Songtexte merken? Eine Studie der University of Houston zeigt: Nicht das Speichern ist das Problem, sondern unsere Aufmerksamkeit.
Arbeitsgedächtnis: Der Schlüssel zum Erinnern
Das sogenannte Arbeitsgedächtnis hilft uns, Informationen kurzfristig zu behalten und zu nutzen – etwa beim Lesen. Laut Psychologe Benjamin Tamber-Rosenau hängt der Erfolg dabei stark von der sogenannten Konsolidierung ab. Das ist der Prozess, bei dem neue Informationen vor Ablenkung geschützt werden.
Multitastking erschwert Schutz vor Ablenkung
Die Forschenden fanden heraus: Wer zu schnell zur nächsten Aufgabe springt, stört genau diesen Prozess. „Unsere Ergebnisse zeigten, dass ein vorzeitiger Wechsel zu neuen Aufgaben die Gedächtniskonsolidierung vor allem durch die Beanspruchung zentraler Steuerungsprozesse stört – und nicht durch die Speichersysteme selbst“, erklärt der Experte. Das bedeutet: Unser Gehirn braucht einen kurzen Moment ungeteilter Aufmerksamkeit, um Informationen zu festigen.
Ablenkung als Gedächtniskiller
In der Studie sollten Teilnehmende Buchstabenfolgen oder Farbtöne merken. Direkt danach mussten sie Entscheidungen treffen. Ergebnis: Es spielte keine Rolle, welche Art von Aufgabe folgte – entscheidend war der schnelle Wechsel selbst. Dieser unterbrach die Gedächtnisbildung.
Tipps für ein besseres Kurzzeitgedächtnis
Die gute Nachricht: Schon kleine Veränderungen im Alltag können helfen:
- Multitasking vermeiden: Geben Sie neuen Informationen für ein paar Sekunden Ihre volle Aufmerksamkeit.
- Aufgaben bewusst abschließen: Vermeiden Sie es, direkt nach dem Lesen oder Hören aufs Handy zu schauen.
Wer sich diese kurzen Momente der Konzentration bewusst nimmt, kann sein Erinnerungsvermögen im Alltag gezielt unterstützen.
DOI: 10.3758/s13414-026-03236-5