Die Antibabypille schützt zuverlässig vor einer Schwangerschaft. Eine neue Studie deutet nun auf einen möglichen Nebeneffekt hin: Während der Einnahme hormonhaltiger Tabletten berichteten Frauen häufiger über emotionales Essen.
Wie die Forschenden die Pille untersucht haben
Wer die kombinierte Antibabypille einnimmt, könnte während der Tage mit hormonhaltigen Tabletten anfälliger für emotionales Essen sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Langzeitstudie mit 422 Frauen, die ihr Essverhalten und ihre Stimmung 49 Tage lang täglich dokumentierten.
Vergleich der beiden Einnahmephasen
Die Teilnehmerinnen nahmen bereits eine kombinierte Antibabypille mit einem festen Einnahmeschema ein: An 21 Tagen enthielten die Tabletten Hormone, anschließend folgten sieben hormonfreie oder Placebo-Tabletten. Die Forscher verglichen bei jeder Teilnehmerin die beiden Einnahmephasen miteinander. So sollten Unterschiede zwischen einzelnen Frauen möglichst ausgeschlossen werden.
Emotionales Essen häufiger während Hormonphase
Die Auswertung zeigte: Während der hormonhaltigen Tabletten berichteten die Frauen häufiger über emotionales Essen. Damit ist Essen als Reaktion auf belastende Gefühle oder Stress gemeint. Der Zusammenhang zeigte sich in zwei aufeinanderfolgenden Pillenzyklen und auch in einer kleineren Gruppe von 51 Frauen mit klinisch definierten Essanfällen. Veränderungen der Stimmung konnten die Ergebnisse nicht vollständig erklären.
Andere Anzeichen für Essstörungen unverändert
Auffällig war außerdem, dass sich die stärkere Neigung zu emotionalem Essen nicht auf andere Merkmale von Essstörungen übertrug. So beschäftigten sich die Teilnehmerinnen während der hormonhaltigen Einnahmephase nicht stärker mit ihrem Gewicht oder ihrer Figur.
Was bedeutet das für Anwenderinnen?
Die Studie zeigt einen statistischen Zusammenhang, beweist aber nicht, dass die Pille Essanfälle oder emotionales Essen verursacht. Untersucht wurde ausschließlich eine bestimmte Art kombinierter Antibabypillen. Außerdem bestimmten die Forscher die Hormonspiegel der Teilnehmerinnen nicht direkt. Deshalb lässt sich auch nicht sagen, welche Präparate oder welche Frauen besonders betroffen sein könnten. Weitere Studien sollen diese Fragen klären.
Für Frauen, die hormonell verhüten, sind die Ergebnisse daher vor allem ein Hinweis, auf mögliche Veränderungen des eigenen Essverhaltens zu achten. Wer solche Veränderungen bemerkt oder sich Sorgen macht, sollte die Verhütung nicht eigenständig absetzen oder wechseln, sondern ärztlichen Rat einholen.
Quelle: DOI 10.1001/jamanetworkopen.2026.19047