Immer mehr Menschen nehmen Probiotika für ihre Darmgesundheit. Doch eine US-Studie zeigt: Bei Ballaststoffen, die wichtige Darmbakterien ernähren, hat sich kaum etwas getan. Warum sich ein Blick auf den Speiseplan lohnt.

Probiotika enthalten für den Darm potenziell nützliche Bakterienkulturen. Zumindest in den USA greifen Menschen, die ihrem Darm Gutes tun wollen, immer häufiger zu solchen Präparaten. Der Anteil der Erwachsenen, die Probiotika einnehmen, stieg zwischen 2009 und 2023 fast auf das Vierfache. Bei Personen unter 20 Jahren erhöhte er sich sogar auf mehr als das Achtfache.
Die Ballaststoffzufuhr veränderte sich im gleichen Zeitraum jedoch kaum. Dabei liefern gerade ballaststoffreiche Lebensmittel wichtige Nahrung für zahlreiche Darmbakterien und unterstützen damit das Darmmikrobiom.
Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte können die Vielfalt der Bakterien im Darm fördern. Gleichzeitig liefern diese Lebensmittel neben Ballaststoffen auch Vitamine, Mineralstoffe und zahlreiche Pflanzenstoffe.
Ein einzelnes Präparat kann diese Vielfalt nicht ersetzen. Studienautorin Kira L. Newman von der University of Michigan beschreibt den Unterschied mit einem Vergleich: „Es ist, als würde man eine einzelne Farbe aus einem Regenbogen herauspicken.“ Wer seine Darmgesundheit unterstützen möchte, kann Probiotika bei Bedarf als Ergänzung betrachten. Die Grundlage bleibt jedoch eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend ballaststoffreichen Lebensmitteln.
Für die Studie werteten die Forscher Daten des US-amerikanischen National Health and Nutrition Examination Survey aus. Im Jahr 2009 nahmen demnach 0,63 Prozent der unter 20-Jährigen ein probiotisches Präparat. 2023 waren es bereits 5,58 Prozent. Bei Erwachsenen stieg der Anteil im selben Zeitraum von 1,8 auf 6,96 Prozent.
Nutzer von Probiotika aßen im Durchschnitt zwar mehr ballaststoffreiche und für das Mikrobiom günstige Lebensmittel als Menschen, die keine solchen Präparate einnahmen. Die Forscher fanden jedoch Hinweise darauf, dass sich diese günstigen Ernährungsgewohnheiten abschwächen können.
Damit zeigt die Studie eine auffällige Entwicklung: Das Interesse am Darmmikrobiom und an entsprechenden Präparaten ist deutlich gewachsen. Beim Verzehr ballaststoffreicher Lebensmittel, von denen zahlreiche Darmbakterien profitieren, gab es dagegen kaum Fortschritte.
Wer langfristig etwas für seine Darmgesundheit tun möchte, kann beim täglichen Essen ansetzen. Vollkornbrot und Vollkornnudeln liefern mehr Ballaststoffe als Varianten aus Weißmehl. Hülsenfrüchte wie Linsen, Bohnen oder Kichererbsen lassen sich regelmäßig in den Speiseplan einbauen. Auch eine abwechslungsreiche Auswahl an Gemüse und Obst versorgt den Darm mit unterschiedlichen Ballaststoffen und weiteren Nährstoffen.
Wer seine Ballaststoffzufuhr erhöht, sollte außerdem ausreichend trinken. Probiotische Präparate können je nach Situation eine Ergänzung sein. Ob und wann ihre Einnahme sinnvoll ist, lässt sich mit dem Arzt oder Apotheker klären.
Quelle: DOI 10.1016/j.cgh.2026.08.029
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