Der Body-Mass-Index (BMI) übersah in einer Studie fast die Hälfte der Menschen mit Adipositas. Ein einfaches Maßband erkannte deutlich mehr Fälle. Warum der Taillenumfang so aussagekräftig ist und welche Werte wichtig sind.

Ein Maßband kann helfen, Adipositas und damit verbundene Gesundheitsrisiken besser einzuschätzen. Eine US-Studie zeigt: Der Taillenumfang erkennt einen erhöhten Körperfettanteil deutlich zuverlässiger als der BMI. Bei der diagnostischen Genauigkeit schnitt er sogar ähnlich gut ab wie eine wesentlich aufwändigere Methode, die allerdings häufiger Fehlalarme auslöste.
Forscher der Rutgers University verglichen den klassischen Body-Mass-Index (BMI), den Taillenumfang und eine neue Definition von Adipositas, die eine internationale Expertenkommission im Fachjournal The Lancet Diabetes & Endocrinology vorgeschlagen hatte. Diese berücksichtigt neben dem BMI auch den Taillenumfang sowie das Verhältnis von Taille zu Körpergröße und von Taille zu Hüfte.
Das Team wertete Daten von 1.900 Erwachsenen aus den USA im Alter von 20 bis 59 Jahren aus. Als Vergleich diente eine genaue Messung des Körperfettanteils mittels DXA (Dual-Röntgen-Absorptiometrie). Als adipös galten Männer mit mindestens 25 Prozent und Frauen mit mindestens 35 Prozent Körperfett.
Der BMI wird lediglich aus Körpergewicht und Körpergröße berechnet. Wie viel Fett ein Mensch tatsächlich besitzt und wo es sich im Körper verteilt, lässt sich daraus nur eingeschränkt ablesen. Das zeigte sich deutlich in den Ergebnissen: Der BMI erkannte nur 51,3 Prozent der Menschen, die laut Körperfettmessung adipös waren. Der Taillenumfang erkannte dagegen 71,4 Prozent. Die vollständigen Lancet-Kriterien kamen sogar auf 87,7 Prozent.
Allerdings stuften die umfangreicheren Kriterien auch häufiger Menschen als adipös ein, bei denen die Körperfettmessung dies nicht bestätigte. Der Taillenumfang lieferte deutlich weniger solcher Fehlalarme. Auch die einfache Kombination aus BMI und Taillenumfang schnitt gut ab. Die Forscher halten deshalb beide Ansätze für besonders geeignet, um Adipositas im medizinischen Alltag zu erkennen.
Studienleiter Aayush Visaria erklärt: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass man nicht unbedingt mehrere komplexe Messungen braucht, um fettleibigkeitsbezogene Gesundheitsrisiken zu identifizieren. Ein Taillenmaß liefert viele der benötigten Informationen und ist sowohl für Kliniker als auch für Patienten machbar.“
Der Taillenumfang hat zudem einen praktischen Vorteil: Er lässt sich ohne spezielle Geräte bestimmen. Zusammen mit dem Körpergewicht kann er Hinweise darauf liefern, ob gesundheitlich ungünstiges Körperfett zunimmt.
Besonders das Fett im Bauchraum spielt eine wichtige Rolle. Ein hoher Anteil an Bauchfett steht mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle in Verbindung. Allerdings lässt sich allein aus dem Taillenumfang weder die genaue Menge des inneren Bauchfetts noch das individuelle Erkrankungsrisiko bestimmen.
Für eine korrekte Messung wird das Maßband waagerecht in der Mitte zwischen dem oberen Rand des Beckenkamms und dem untersten Rippenbogen um den Bauch gelegt. Am besten misst man im Stehen nach dem normalen Ausatmen, ohne den Bauch einzuziehen oder das Maßband zu fest anzuziehen.
Bei Frauen gilt ein Taillenumfang unter 80 Zentimetern, bei Männern unter 94 Zentimetern als günstig. Ab 80 beziehungsweise 94 Zentimetern steigt das gesundheitliche Risiko. Ab 88 Zentimetern bei Frauen und 102 Zentimetern bei Männern gilt es als deutlich erhöht.
Diese Werte sind Warnsignale und bedeuten für sich allein noch keine gesicherte Adipositas-Diagnose. Auch Körpergröße, Alter und individuelle gesundheitliche Faktoren spielen bei der Beurteilung eine Rolle.
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