Krebserkrankungen bei jüngeren Erwachsenen nehmen zu. Eine neue Untersuchung deutet auf einen möglichen Grund hin: Menschen jüngerer Generationen scheinen biologisch schneller zu altern als frühere Generationen.

Das Alter in Jahren, auch chronologisches Alter genannt, sagt nicht unbedingt aus, wie stark der Körper bereits gealtert ist. Das sogenannte biologische Alter lässt sich anhand von Veränderungen in Zellen, Organen, Stoffwechsel und anderen physiologischen Systemen bestimmen. Forschende der Washington University School of Medicine in St. Louis untersuchten nun, ob es sich zwischen verschiedenen Generationen unterscheidet und wie es mit dem Krebsrisiko zusammenhängt.
Dafür werteten sie Daten von mehr als 154.000 jüngeren Erwachsenen aus der UK Biobank sowie von mehr als 10.000 Teilnehmenden des US-amerikanischen „All of Us Research Program“ aus. Anhand verschiedener Biomarker bestimmten sie sowohl das biologische Alter des gesamten Körpers als auch einzelner Organe und biologischer Systeme.
Der Studie zufolge stieg das Krebsrisiko, je größer der Unterschied zwischen biologischem und chronologischem Alter war. Menschen aus jüngeren Geburtsjahrgängen wiesen bei gleichem tatsächlichem Alter im Durchschnitt ein höheres biologisches Alter auf als Menschen früherer Generationen.
Bei stärkerem systemischem Altern war das Risiko für früh auftretende solide Tumoren um 8 Prozent erhöht. Die stärksten Zusammenhänge bestanden bei Lungen-, Magen-Darm- und Gebärmutterkrebs.
Weitere Analysen zeigten: Personen mit der fortgeschrittensten systemischen Alterung hatten im Vergleich zu jenen mit der geringsten Alterung ein um 15 Prozent erhöhtes Risiko für früh auftretende solide Krebserkrankungen. Der Zusammenhang blieb auch bestehen, nachdem die Forschenden genetische Krebsrisiken und die genetische Anfälligkeit für beschleunigte Alterung berücksichtigt hatten.
Auch einzelne Körpersysteme spielten offenbar eine Rolle: Ein biologisch stärker gealtertes Immunsystem hing mit einem höheren Risiko für früh auftretenden Lungenkrebs zusammen. Eine stärkere Alterung des Fettgewebes war mit einem höheren Risiko für Darmkrebs verbunden.
Warum jüngere Generationen biologisch schneller zu altern scheinen, beantwortet die Untersuchung nicht. Die Forschenden vermuten Einflüsse aus Umwelt, Lebensstil und Gesellschaft. Frühere Arbeiten hatten unter anderem Übergewicht, Stoffwechselstörungen, Alkoholkonsum, Bewegungsmangel und eine ungünstige Ernährung als mögliche Einflussfaktoren untersucht.
Langfristig könnten Messungen des biologischen Alters dabei helfen, jüngere Menschen mit einem erhöhten Krebsrisiko früher zu erkennen. „Wenn wir jüngere Menschen mit dem höchsten Krebsrisiko identifizieren können, solange sie noch gesund sind, können wir Präventions- und Früherkennungsstrategien auf diejenigen konzentrieren, die am meisten von frühen Maßnahmen profitieren“, sagt Studienleiterin Yin Cao von der Washington University School of Medicine.
Quelle DOI: 10.1038/s41591-026-04448-w
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