Nach einer Operation möglichst schnell wieder aufstehen und sich bewegen – dieser Rat gehört für viele Patienten zum Klinikalltag. Eine aktuelle Studie zeigt nun, wie wichtig Bewegung tatsächlich für die Erholung sein kann: Schon jeweils 1.000 zusätzliche Schritte pro Tag nach einer OP waren mit weniger Komplikationen, kürzeren Krankenhausaufenthalten und einem geringeren Risiko für eine erneute Einweisung verbunden.
Schrittzahl als wichtiger Faktor für die Erholung
Für die Untersuchung analysierten Forschende Daten von 1.965 Erwachsenen, die stationär operiert wurden. Dabei zeigte sich:
- Mit jedem Plus von 1.000 Schritten täglich sank die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen deutlich.
- Die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus verkürzte sich im Schnitt um 6 Prozent.
- Das Risiko, innerhalb von 30 oder 90 Tagen erneut ins Krankenhaus zu müssen, war geringer.
Die Wissenschaftler verglichen die Schrittzahl zudem mit anderen Messwerten wie Herzfrequenzvariabilität oder dem subjektiven Wohlbefinden der Patienten. Diese Werte erwiesen sich dagegen nicht als unabhängige Hinweise auf eine bessere Genesung. Die tägliche Bewegung erwies sich dagegen als besonders aussagekräftig.
Fitness-Tracker liefern objektive Daten
Erfasst wurden die Schritte mithilfe von Wearables wie Fitness-Trackern. Laut Studienautor Timothy M. Pawlik von der Ohio State University liefern solche Geräte ein objektives Bild der Genesung. „Wearables geben uns eine objektive, kontinuierliche Rückmeldung. Statt nur zu fragen, wie es jemandem geht, können wir sehen, dass sich die Person bewegt – und das ist ein sehr konkretes Signal dafür, wie die Erholung verläuft“, sagte Pawlik.
Mehr Bewegung könnte zur Erholung beitragen – vor und nach der OP
Die Forschenden weisen allerdings darauf hin, dass Ursache und Wirkung nicht eindeutig voneinander zu trennen sind. Menschen, die sich nach einer Operation besser fühlen, bewegen sich oft automatisch mehr. Dennoch sei der Zusammenhang zwischen Schrittzahl und Genesung so deutlich gewesen, dass die tägliche Bewegung vermutlich nicht nur ein Zeichen für eine gute Erholung ist, sondern selbst dazu beiträgt. Sinkende Schrittzahlen könnten deshalb auch früh darauf hinweisen, dass Patienten zusätzliche Unterstützung benötigen.
Zudem verweisen die Autoren auf eine frühere Studie: Demnach hatten Patienten, die bereits vor einer Operation mehr als 7.500 Schritte täglich gingen, ein um 51 Prozent geringeres Risiko für Komplikationen nach dem Eingriff. Das deutet darauf hin, dass regelmäßige Bewegung sowohl vor als auch nach einer OP die Erholung positiv beeinflussen kann.
DOI: 10.1097/XCS.0000000000001857