Menschen mit leicht erhöhten Blutzuckerwerten – einem sogenannten Prädiabetes – können ihr Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich senken, wenn sich die Werte wieder normalisieren. Das zeigt eine aktuelle Studie.

Wer eine Vorstufe von Diabetes hat, kann sein Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen offenbar deutlich senken. Demnach profitieren Menschen mit Prädiabetes besonders dann, wenn es gelingt, die erhöhten Blutzuckerwerte wieder in den Normalbereich zu bringen. Das zeigt eine aktuelle Studie des King's College London, die unter Beteiligung des Universitätsklinikums Tübingen durchgeführt wurde.
Prädiabetes liegt vor, wenn der Blutzucker bereits erhöht ist, aber noch nicht die Kriterien eines Typ-2-Diabetes erfüllt. Die Stoffwechselstörung gilt als weit verbreitet und erhöht nicht nur das Risiko für Diabetes, sondern auch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In Deutschland lebt Expertenschätzungen zufolge jeder 5. Erwachsene mit Prädiabetes.
Für die Untersuchung werteten Forschende Daten aus zwei großen Langzeitstudien in den USA und China erneut aus. Das Ergebnis: Teilnehmerinnen und Teilnehmer, bei denen sich der Prädiabetes zurückbildete und die Blutzuckerwerte wieder normal wurden, hatten ein um 58 Prozent geringeres Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben oder wegen einer Herzschwäche ins Krankenhaus eingeliefert zu werden. Darüber hinaus sank das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse um 42 Prozent.
Besonders bemerkenswert: Die Vorteile hielten über viele Jahre an. Selbst Jahrzehnte nach der Normalisierung der Blutzuckerwerte war der schützende Effekt noch nachweisbar. Die Ergebnisse zeigten sich sowohl in der US-amerikanischen als auch in der chinesischen Studienpopulation.
Die Forschenden sehen in der Rückbildung des Prädiabetes einen vielversprechenden Ansatz zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass nicht allein die Verzögerung eines Diabetes-Ausbruchs entscheidend ist, sondern vor allem die tatsächliche Normalisierung des Stoffwechsels.
Studienleiter Dr. Andreas Birkenfeld sagt: „Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass die Rückbildung eines Prädiabetes künftig neben der Senkung des Blutdrucks, der Cholesterinwerte und dem Rauchstopp als vierte wichtige Maßnahme der Primärprävention etabliert werden könnte, die Herzinfarkte und Todesfälle tatsächlich verhindert.“
Quelle: DOI: 10.1016/S2213-8587(25)00295-5
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