Auch Männer erleben mit zunehmendem Alter hormonelle Veränderungen. Doch es ist ein Irrtum zu glauben, die Andropause sei das männliche Äquivalent der weiblichen Wechseljahre. Sie ist vielmehr ein allmählicher Rückgang des Testosteronspiegels, der schon ab dem 30. Lebensjahr beginnt.

Ob und wann der Testosteronabfall überhaupt zum Problem wird, ist schwer zu sagen. Neben dem Alter spielen viele weitere Faktoren eine Rolle, zum Beispiel Diabetes, Übergewicht, Stress, Depressionen, Erkrankungen der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und Medikamente. In diesen Fällten sollte die Ursachen behandelt werden, anstatt voreilig Testosteron zu nehmen.
Anzeichen für einen geringen Testosteronspiegel können beispielsweise folgende sein:
Viele Männer haben vorübergehend solche Probleme, wenn sie erschöpft und gestresst sind. Stress hemmt ein Hormon, das Fruchtbarkeit und den Testosteronspiegel reguliert. Wenn der Stress nachlässt, können sich deshalb auch die Symptome wieder bessern.
Die Endokrinologin Dr. Hélène Lavoie von der Universität Montreal ist darüber besorgt, dass immer mehr Männer eine Testosteronbehandlung beginnen: „Eine Testosterontherapie sollte nicht systematisch verschrieben werden.“ Sie rät Männern, deren Libido, Energie, Muskeln, Konzentration und Stimmung nachlassen zur Geduld und dazu, sich eine Pause zu gönnen und Leistungsangst zu überwinden. „Ich sage meinen Patienten oft: Wenn Sie früher eine Libido hatten, machen Sie sich keine Sorgen, sie kommt zurück. Die Libido ist multifaktoriell: Sie funktioniert bei Männern und Frauen, wenn alles andere in ihrem Leben funktioniert. Kleine Veränderungen können einen großen Unterschied machen.“
Zuweilen übersteigt das Risiko einer Hormontherapie den Nutzen: „Die Wirkung ist von Person zu Person sehr unterschiedlich. Sie ist nicht wie ein Medikament, das Blutdruck oder Blutzucker senkt. Wir müssen es vermeiden, ein natürliches Phänomen zu pathologisieren und lernen, die Fälle zu identifizieren, die ein Eingreifen erfordern, um die richtigen Menschen zum richtigen Zeitpunkt zu behandeln“, sagte Lavoie. Sie warnt junge Männer eindringlich davor, Testosteron und andere Hormone zum Muskelaufbau zu nehmen: „Anabole Steroide können Ihre Fruchtbarkeit unwiderruflich schädigen.“
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