Angst und depressive Beschwerden können ältere Menschen rund um eine größere Operation zusätzlich belasten. Eine gezielte psychologische Begleitung vor und nach dem Eingriff sowie ein Medikamenten-Check könnte die Erholung unterstützen.

Steht eine größere Operation an, bedeutet das Stress. Eine psychologische Begleitung könnte helfen, damit einhergehende Ängste und depressive Beschwerden bei älteren Menschen zu verringern. Zu diesem Ergebnis kommt eine klinische Studie von Forschenden der Washington University School of Medicine in St. Louis.
An der Studie nahmen 306 Menschen ab 60 Jahren teil, bei denen eine Herz-, Krebs- oder orthopädische Operation geplant war. Alle hatten leichte bis mittelschwere Symptome von Angst oder Depression. Nach dem Zufallsprinzip wurden sie zwei Gruppen zugeteilt.
Eine Gruppe erhielt Informationsmaterial zu Achtsamkeit, Schlaf und Gehirngesundheit. Zusätzlich führten speziell geschulte Fachkräfte vor und nach der Operation acht bis zwölf telefonische Gespräche mit den Teilnehmenden. Dabei ging es um ihr psychisches Wohlbefinden und den Umgang mit den Belastungen rund um die Operation.
Außerdem überprüften Apothekerinnen oder Apotheker beziehungsweise Ärztinnen oder Ärzte die Medikamente der Teilnehmenden. Im Fokus standen Arzneimittel, die bei älteren Menschen beispielsweise Benommenheit, Verwirrtheit oder Stürze begünstigen können. Wenn nötig, wurden Dosierungen angepasst oder nicht mehr benötigte Medikamente abgesetzt. Die Kontrollgruppe erhielt ausschließlich die Informationsmaterialien.
Drei Monate nach der Operation waren Angst und depressive Beschwerden in der Interventionsgruppe stärker zurückgegangen als in der Kontrollgruppe. Auf einer Skala mit insgesamt 48 Punkten betrug der zusätzliche Rückgang etwa 2,2 bis 2,5 Punkte. Besonders deutlich war der Unterschied bei Menschen, die wegen einer Krebserkrankung operiert worden waren: Sie erreichten im Durchschnitt knapp fünf Punkte weniger als die Kontrollgruppe.
„Die Zeit rund um eine Operation ist sowohl eine Phase des Risikos als auch eine Chance“, sagt Studienautorin Prof. Joanna Abraham. Der Stress könne bestehende Angst- und Depressionssymptome verstärken. Gleichzeitig biete die Vorbereitung auf eine Operation die Möglichkeit, solche Beschwerden frühzeitig zu erkennen und Unterstützung anzubieten.
Die Forschenden sehen in dem Konzept eine Möglichkeit, die Versorgung älterer Menschen rund um größere Operationen zu ergänzen. Dabei gehe es nicht nur darum, den Körper auf den Eingriff vorzubereiten. „Den Geist und das Gehirn vorzubereiten, ist genauso wichtig“, sagt Prof. Eric J. Lenze, Leiter der psychiatrischen Abteilung der Washington University School of Medicine.
Quelle: DOI 10.1001/jamanetworkopen.2026.32619
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