Psilocybin ist ein psychedelischer Wirkstoff aus bestimmten Pilzen. In der Forschung gilt er als möglicher neuer Ansatz gegen Depressionen. Bislang war allerdings kaum bekannt, ob ein solcher Effekt auch langfristig anhält. Eine Untersuchung des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit, der Charité Berlin und der MIND Foundation liefert dazu nun Daten. Es handelt sich nach Angaben der Forschenden um die bisher umfassendste Langzeitbeobachtung einer klinischen Studie mit Psychedelika.
Antidepressive Effekte über Monate hinweg
An der zugrunde liegenden Langzeitauswertung nahmen 126 Menschen mit therapieresistenter Depression teil. Das heißt: Die Erkrankung ließ sich mit üblichen Therapien nicht ausreichend bessern. Alle Teilnehmenden erhielten mindestens eine Psilocybin-Sitzung mit 25 Milligramm Wirkstoff in Kombination mit einer psychotherapeutischen Begleitung.
Das Ergebnis: Die depressiven Beschwerden blieben über den gesamten Zeitraum im Schnitt deutlich verringert. Auf einer etablierten Skala zur Bewertung von Depressionen lagen die Symptome auch nach zwölf Monaten im Durchschnitt rund acht Punkte niedriger als vor der Behandlung. Das gilt als klinisch bedeutsame Verbesserung.
Wichtig: Psilocybin plus Psychotherapie
Was die Behandlung von herkömmlichen Mitteln unterscheidet, betont Erstautorin Lea Mertens vom Zentralinstitut: „Anders als klassische Antidepressiva wird Psilocybin nicht dauerhaft eingenommen, sondern in wenigen Sitzungen mit begleitender Psychotherapie eingesetzt.” Die psychotherapeutische Begleitung dürfte eine zentrale Rolle dabei spielen, die oft intensiven Erfahrungen zu verarbeiten. Wie genau die psychologischen und biologischen Faktoren zusammenwirken, müssen weitere Untersuchungen klären.
Ergebnisse mit wichtigen Einschränkungen
So vielversprechend die Ergebnisse wirken, sie müssen vorsichtig eingeordnet werden. Bei der Auswertung handelt es sich um eine Langzeitbeobachtung ohne durchgehende Kontrollgruppe. Die Teilnehmenden konnten während der Langzeitbeobachtung wieder reguläre Behandlungen nutzen, viele nahmen zusätzlich an einer monatlichen Begleitgruppe teil. Zwar blieben die Verbesserungen auch bestehen, wenn die Forschenden eine spätere Einnahme von Antidepressiva statistisch berücksichtigten. Dennoch lässt sich aufgrund des Studiendesigns nicht eindeutig bestimmen, welcher Anteil der langfristigen Verbesserung auf die ursprüngliche Psilocybin-Behandlung zurückzuführen ist. Für belastbare Aussagen seien weitere Studien nötig.
Wichtig ist zudem: Psilocybin kam ausschließlich unter kontrollierten klinischen Bedingungen und mit intensiver psychotherapeutischer Begleitung zum Einsatz.
Quelle: DOI 10.1159/000552272