Psychische Spätfolgen schlimmer Erlebnisse bezeichnen Experten als Posttraumatische Belastungsstörung, kurz PTBS. Sie können Menschen erheblich in ihrer Persönlichkeit verändern, ohne dass dies immer gleich auffällt.

Eine posttraumatische Belastungsstörung, kurz PTBS, ist eine seelische Erkrankung, die sich nach einem oder mehreren belastenden Ereignissen entwickeln kann. Auslöser ist immer ein Trauma, also ein Ereignis von außergewöhnlicher Bedrohung, etwa ein schwerer Unfall, körperliche oder sexuelle Gewalt, ein Krieg oder eine Naturkatastrophe. Auch wer ein solches Ereignis bei anderen miterlebt oder davon beruflich häufig erfährt, kann erkranken.
Etwa 6 von 100 Menschen entwickeln im Laufe ihres Lebens eine PTBS. Wichtig zu wissen: Eine PTBS ist behandelbar, und die Beschwerden lassen sich mit der Zeit lindern.
Eine PTBS zeigt sich meist in mehreren Gruppen von Beschwerden:
Die Beschwerden treten oft schon in den ersten Wochen nach dem Trauma auf, können aber auch erst Monate später beginnen. Bei manchen Menschen klingen sie von allein ab. Bleibt eine PTBS jedoch unbehandelt, kann sie über Jahre bestehen und den Alltag, die Arbeit und Beziehungen stark beeinträchtigen. Häufig kommen weitere seelische Erkrankungen hinzu, etwa Depressionen, Angststörungen oder ein schädlicher Umgang mit Alkohol oder anderen Substanzen.
Eine PTBS entsteht immer als Reaktion auf ein traumatisches Erlebnis. Ob jemand erkrankt, hängt von vielen Faktoren ab. Die Art und Schwere des Traumas spielt eine Rolle, ebenso, ob es einmalig oder wiederholt auftrat. Von Menschen verursachte Traumata wie Gewalt führen häufiger zu einer PTBS als etwa Naturkatastrophen. Auch fehlende Unterstützung im Umfeld kann das Risiko erhöhen. Umgekehrt schützt ein stabiles soziales Umfeld.
Den Verdacht auf eine PTBS klären speziell geschulte Ärztinnen, Ärzte oder Psychotherapeuten ab. Grundlage ist ein ausführliches Gespräch. Um die Diagnose zu sichern, kommen strukturierte Interviews zum Einsatz, bei denen gezielt die typischen Beschwerden abgefragt werden. Ergänzend können Fragebögen helfen, die Betroffene selbst ausfüllen. Wichtig ist dabei eine vertrauensvolle, ruhige Gesprächssituation, denn über ein Trauma zu sprechen, fällt vielen schwer.
Die wichtigste Behandlung der PTBS ist eine Psychotherapie, die gezielt auf Traumata ausgerichtet ist. Mehrere Verfahren haben sich in Studien als wirksam erwiesen. Ihnen gemeinsam ist, dass Betroffene lernen, sich dem Erlebten und den vermiedenen Situationen schrittweise und in geschütztem Rahmen anzunähern.
Bei der sogenannten Konfrontationstherapie etwa nähern sich Betroffene unter therapeutischer Begleitung nach und nach den Erinnerungen und Situationen, die sie bisher gemieden haben. So verlieren diese mit der Zeit ihren Schrecken. Daneben gibt es weitere anerkannte Verfahren, bei denen es darum geht, die Bedeutung des Erlebten zu verarbeiten.
Medikamente spielen eine untergeordnete Rolle und ersetzen keine Psychotherapie. In bestimmten Fällen können bestimmte Antidepressiva die Behandlung ergänzen, etwa der Wirkstoff Venlafaxin. Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine sollen dagegen nicht eingesetzt werden, da sie nicht helfen und abhängig machen können.
Wähle aponet.de als eine bevorzugte Nachrichtenquelle bei Google und entdecke unsere aktuellen Gesundheitsnews häufiger in deinen News-Empfehlungen.
Alle zwei Wochen neu: die aktuelle Liste der zuzahlungsfreien Arzneimittel.
Medikamenten-Name oder Wirkstoff eingeben für mehr Informationen.
Im Fokus diesmal: Dem Geschmacksverlust nach Covid-19 auf der Spur, die ideale Länge des…
aus Apotheke, Forschung und Gesundheitspolitik.
In diesem Lexikon finden Sie umfassende Beschreibungen von etwa 400 Krankheitsbildern