Studie: Kaugummi aus Lablab-Bohnen wirkt im Labor gegen HPV und Krebskeime

Peter Erik FelzerHanke Huber  |  07.08.2026 09:39 Uhr

HPV-Infektionen gelten als wichtiger Risikofaktor für bestimmte Krebsarten im Mund- und Rachenraum. Nun zeigt eine neue Studie: Ein neu entwickelter Kaugummi auf Grundlage der tropischen Lablab-Bohne könnte die Menge dieser Viren sowie bestimmter Bakterien im Mund deutlich verringern und damit möglicherweise künftig zur Vorbeugung beitragen.

Lablab-Bohne an Spalier
Die tropische Lablab-Bohne (Lablab purpureus) liefert das Protein FRIL, das Forschende für ein experimentelles Kaugummi nutzten.
© Mirza Nasrin/iSTockphoto

Kann ein Kaugummi aus einer tropischen Bohne helfen, krankheitsfördernde Keime im Mund zu bekämpfen? Dieser Frage ist ein Forschungsteam der University of Pennsylvania nachgegangen. Grundlage des Kaugummis war die Lablab-Bohne (Lablab purpureus). Die Hülsenfrucht enthält FRIL, ein natürlich vorkommendes Protein mit antiviralen Eigenschaften. In Laborversuchen reduzierte der Kaugummi Humane Papillomaviren (HPV) sowie zwei Bakterien, die mit Kopf-Hals-Krebserkrankungen in Verbindung gebracht werden. Die Studie wurde im Fachjournal Scientific Reports veröffentlicht.

HPV und Mundbakterien standen im Fokus

Für die Untersuchung analysierten die Forschenden Speichel- und Mundspülproben von Patientinnen und Patienten mit einem Plattenepithelkarzinom im Kopf-Hals-Bereich. Im Mittelpunkt standen das HP-Virus sowie die beiden Bakterien Porphyromonas gingivalis und Fusobacterium nucleatum. Es zeigte sich, dass das im Kaugummi enthaltene Protein FRIL die HPV-Menge in Speichelproben um bis zu 93 Prozent reduzierte und um 80 Prozent in Mundspülproben.

Antimikrobieller Zusatz wirkte gegen Krebs-assoziierte Bakterien

Zusätzlich ergänzte das Forschungsteam den Kaugummi um Protegrin, ein antimikrobielles Peptid, das Bakterien abtöten kann. Dieses verringerte die Konzentration der zwei Bakterienarten Porphyromonas gingivalis und Fusobacterium nucleat nahezu vollständig. 

Warum das für die Prävention interessant ist

Sogenannte Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinome entstehen im Gewebe von Mund und Rachen. Sie gehören zu den häufigen Krebsarten und werden oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt. HPV-Infektionen spielen insbesondere bei Krebserkrankungen im Rachenbereich eine wichtige Rolle. Zudem können bestimmte Mundbakterien die Prognose bei bestehendem Krebs verschlechtern. 

Ein möglicher Vorteil des neuen Ansatzes: Der Kaugummi griff in den Untersuchungen offenbar vor allem die problematischen Keime an. Die nützlichen Bakterien der normalen Mundflora blieben weitgehend erhalten. Das könnte ihn von anderen Behandlungsansätzen unterscheiden, die das mikrobielle Gleichgewicht im Mund stärker beeinflussen. 

Studie nur mit Patientenproben

Wichtig ist jedoch: Die Ergebnisse stammen nicht aus einer klinischen Studie mit Teilnehmenden, die den Kaugummi tatsächlich gekaut haben. Untersucht wurden Speichel- und Mundspülproben von Patienten mit Kopf-Hals-Krebs. Die Forscher prüften also außerhalb des Körpers, wie die Kaugummibestandteile auf die darin enthaltenen Viren und Bakterien wirken. Ob der Kaugummi Infektionen beim Menschen tatsächlich verhindern, die Übertragung von HPV reduzieren oder das Krebsrisiko senken kann, lässt sich aus dieser Untersuchung deshalb noch nicht ableiten. Dafür sind klinische Studien erforderlich. 

Quelle: DOI 10.1038/s41598-026-39062-w

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