Bewegung nach Darmkrebs: Warum ein Trainingsprogramm die Prognose verbessern kann

Wolf Löchel  |  07.08.2026 14:56 Uhr

Nach einer Darmkrebstherapie gehört zur Nachsorge mehr als Kontrolluntersuchungen. Auch Bewegung beeinflusst den weiteren Verlauf. Eine große Studie zeigt, dass ein angeleitetes Trainingsprogramm das Rückfallrisiko senken kann. Die aktualisierte Leitlinie empfiehlt es nun ausdrücklich.

Älterer Mann beim Nordic Walking
Regelmäßige Bewegung wie Nordic Walking kann nach einer Darmkrebstherapie den weiteren Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.
© Liudmila Chernetska/iStockphoto

Bewegung rückt in der Nachsorge nach vorn

Nach einer Darmkrebstherapie stehen für viele Betroffene zunächst Erholung, Kontrolluntersuchungen und die Sorge vor einem Rückfall im Vordergrund. Für den weiteren Krankheitsverlauf spielt jedoch auch der Lebensstil eine wichtige Rolle. Die Fachgesellschaften haben ihre wichtigste Behandlungsleitlinie für Darmkrebs deshalb aktualisiert. Solche Leitlinien fassen den gesicherten Stand der Forschung zusammen und geben Ärztinnen und Ärzten verbindliche Empfehlungen an die Hand. 

In der aktualisierten S3-Leitlinie zum kolorektalen Karzinom wird nun nach Operation und Chemotherapie ausdrücklich ein angeleitetes Bewegungsprogramm empfohlen. Darauf macht die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) aufmerksam. „Angeleitete körperliche Aktivität kann das krankheitsfreie Überleben und das Gesamtüberleben signifikant verbessern", sagt Christian Pox, Chefarzt der Medizinischen Klinik am Krankenhaus St. Joseph-Stift Bremen und Mitautor der Leitlinie.

Was an der Datenlage neu ist

Dass Bewegung nach Darmkrebs mit besseren Verläufen einhergeht, legten Beobachtungsstudien schon länger nahe. Neu ist die Qualität des Belegs. „Eine große randomisierte Studie hat nun den Nutzen eines strukturierten Bewegungsprogramms nach abgeschlossener Chemotherapie deutlich besser belegt als bisherige Beobachtungsdaten", so Pox.

In der sogenannten CHALLENGE-Studie ging es um Patientinnen und Patienten, deren Darmkrebs operativ entfernt worden war und die ein erhöhtes Rückfallrisiko hatten. Nach der Chemotherapie erhielt ein Teil lediglich Informationsmaterial zu Lebensstil und Bewegung, der andere zusätzlich ein über drei Jahre begleitetes Bewegungsprogramm.

Sechs Prozentpunkte weniger Rückfälle

Ziel des Programms war eine spürbare, aber realistische Steigerung der Aktivität, etwa durch regelmäßiges zügiges Gehen, Schwimmen, Radfahren oder Joggen. Die Ergebnisse fielen deutlich aus: Nach fünf Jahren waren in der Bewegungsgruppe 80 Prozent der Teilnehmenden krankheitsfrei, in der Vergleichsgruppe 74 Prozent. Auch das Gesamtüberleben lag nach acht Jahren in der Bewegungsgruppe höher.

Den Wiedereinstieg individuell planen

Betroffene sollten den Wiedereinstieg gemeinsam mit ihrem Behandlungsteam planen. Dabei gilt es unter anderem die Ausgangsfitness, Begleiterkrankungen und mögliche Therapiefolgen zu berücksichtigen. Fachliche Begleitung kann sinnvoll sein, etwa durch Physiotherapie, Rehabilitationssport oder im Rahmen von qualifizierten Bewegungsangeboten für Menschen mit Krebs. Hintergrund ist, dass in der Bewegungsgruppe der Studie etwas häufiger Beschwerden an Muskeln, Gelenken und Knochen auftraten. Nach einer Darmkrebstherapie gehe es nicht darum, Höchstleistungen zu erbringen, so die Expertinnen und Experten der DGSV. Ziel sei vielmehr, die körperliche Aktivität dauerhaft und individuell angepasst zu steigern.

Quelle: DOI 10.1056/NEJMoa2502760

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