Neue Leitlinie zu Depressionen bei Kindern und Jugendlichen

Elisabeth Kerler  |  26.03.2026 13:12 Uhr

Viele Kinder und Jugendliche sind psychisch belastet – oft in Form depressiver Störungen. Was eine neue Leitlinie nun empfiehlt.

Ein Mädchen, etwa 10 bis 12 Jahre alt, hockt auf einem Sessel und hört einer Therapeutin zu. Sie erklärt ihr etwas, auf dem Schoß ein Klemmbrett.
Psychotherapie hat auch gemäß der neuen Leitlinie zu depressiven Störungen bei Kindern und Jugendlichen Vorrang vor Medikamenten.
© Valeriy_G/iStockphoto

Neue Empfehlungen depressiven Störungen von Kindern und Jugendlichen: Die Leitlinie unterscheidet nun stärker nach Alter, betont ergänzende Maßnahmen und bindet Betroffene und Eltern enger ein. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) hin.

Depressionen im Jugendalter häufig

Depressive Störungen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Während sie bereits bei jüngeren Kindern auftreten, steigt die Häufigkeit im Jugendalter deutlich an: Rund 8 Prozent der Jugendlichen seien betroffen, so die DGKJP.

Die COVID-19-Pandemie hat diese Entwicklung verstärkt. Zeitweise hätten depressive Symptome international bei etwa 25 Prozent gelegen, so die Fachgesellschaft, in Deutschland bei bis zu 24 Prozent. Nach der Pandemie gingen die Werte zwar wieder zurück, die psychische Belastung blieb jedoch erhöht.

Aktualisierte Leitlinie wieder an neuen Daten ausgerichtet

Die aktualisierte Leitlinie bündelt den aktuellen Stand der Forschung und soll die Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Depressionen weiter verbessern. Zentrale Punkte darin sind:

Kinder und Eltern stärker einbeziehen

Ein zentraler Bestandteil der neuen Leitlinie ist die stärkere Beteiligung der Betroffenen. Kinder, Jugendliche und ihre Eltern sollen aktiv in Therapieentscheidungen einbezogen werden. „Vor allem die frühzeitige Beteiligung der Kinder und Jugendlichen mit einer Depression an den Therapieentscheidungen auf der Basis einer alters- und entwicklungsangemessenen Aufklärung und Partizipation ist eine wichtige Neuerung in der Leitlinie“, erklärt Prof. Dr. Gerd Schulte-Körne, Co-Autor vom Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er fügt hinzu: „Eine wichtige neue Empfehlung ist, dass unabhängig vom Schweregrad der Depression nach der fachärztlichen Diagnosestellung eine Behandlung immer erfolgen soll.“

Therapie wird stärker am Alter ausgerichtet

Erstmals gibt die Leitlinie konkrete Empfehlungen für drei Altersgruppen: jüngere Kinder (3–6 Jahre), ältere Kinder (7–12 Jahre) und Jugendliche (13–18 Jahre). Ziel ist es, die Behandlung besser an den jeweiligen Entwicklungsstand anzupassen, zum Beispiel spielen bei jüngeren Kindern nun familienbasierte Verfahren eine größere Rolle. 

Ergänzende Maßnahmen gewinnen an Bedeutung

Erstmals empfiehlt die Leitlinie ergänzende Angebote, wie Sport und Bewegung, künstlerische Therapien sowie begleitende Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe. Das hebt die Bedeutung der ärztlichen und therapeutischen Zusammenarbeit mit weiteren Berufsgruppen hervor, etwa aus Bereichen der Ergotherapie, Kunsttherapie und Bewegungstherapie. 

Psychotherapie vor Medikamente

Die Leitlinie sieht für alle Altersgruppen und den Schweregrade weiterhin vorranging Psychotherapie vor, insbesondere kognitive Verhaltenstherapie: Diese zielt darauf ab, ungünstige Denk- und Verhaltensweisen zu verändern. Bei mittelgradigen und schweren depressiven Störungen liegt für die Wirksamkeit von mehr Wirkstoffen als bisher eine wissenschaftliche Grundlage vor: So gelten nun Fluoxetin, Sertralin und Escitalopram als Medikation der ersten Wahl. 

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