Schwindel, Schlafprobleme: Welche Symptome nach dem Absetzen von Antidepressiva auftreten können

Dr. Karen Zoufal  |  11.05.2026 15:04 Uhr

Schwindel, Schlafprobleme oder Übelkeit nach dem Absetzen von Antidepressiva: Viele Patienten fürchten starke Beschwerden. Eine große Studie zeigt, wie häufig echte Entzugssymptome tatsächlich sind.

Frau hält sich die Hand an die Stirn.
Schwindel oder Kopfschmerz gehören zu den Symptomen, die nach dem Absetzen von Medikamenten gegen Depressionen auftreten können.
© seb_ra/iStockphoto

Was passiert nach dem Absetzen von Antidepressiva?

Wer Antidepressiva absetzen möchte, fragt sich oft: Was passiert danach mit meinem Körper? Eine aktuelle Auswertung mit Daten von mehr als 20.000 Patienten liefert dazu belastbare Zahlen. Demnach entwickelt etwa jeder sechste Betroffene mindestens ein Symptom, das direkt durch das Absetzen des Medikaments ausgelöst wird.

Zu den häufigsten Beschwerden zählen Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schlaflosigkeit und Reizbarkeit. Schwere Symptome waren deutlich seltener: Sie betrafen etwa jeden 35. Patienten.

Die Ergebnisse helfen dabei, das Risiko realistischer einzuschätzen. Denn zwar berichtete insgesamt rund jeder dritte Teilnehmer über Beschwerden nach dem Absetzen. Nicht alle davon standen jedoch tatsächlich mit dem Medikamentenentzug in Zusammenhang. Die Forscher werteten deshalb gezielt aus, welche Symptome direkt durch das Absetzen verursacht wurden.

Beschwerden beim Absetzen sind meist vorübergehend

Dr. Jonathan Henssler von der Charité – Universitätsmedizin Berlin: „Dabei ist wichtig zu wissen, dass Entzugssymptome bei Antidepressiva nicht darauf zurückzuführen sind, dass Antidepressiva süchtig machen.“ Trotzdem sollten Betroffene das Medikament nicht abrupt absetzen. Experten empfehlen, die Dosis gemeinsam mit dem behandelnden Arzt schrittweise zu reduzieren. So lassen sich mögliche Beschwerden oft deutlich abschwächen.

Warum ärztliche Begleitung wichtig ist

Antidepressiva werden häufig über Monate oder Jahre eingenommen, etwa bei Depressionen oder Angststörungen. Wenn sich der Gesundheitszustand stabilisiert hat, möchten viele Patienten die Medikamente irgendwann beenden.

Gerade in dieser Phase ist Unterstützung wichtig. Denn Beschwerden wie Schwindel oder Schlafprobleme können verunsichern und leicht mit einem Rückfall der Depression verwechselt werden. Ein langsames Ausschleichen hilft dabei, den Körper an die Veränderung zu gewöhnen.

„Antidepressiva sind bei vielen Menschen wirksam, entweder allein oder in Kombination mit anderen Behandlungen wie Psychotherapie. Bei Personen, die durch Antidepressiva genesen sind, kann die Entscheidung fallen, diese abzusetzen. Es ist wichtig, dass Ärzte und Patienten eine Vorstellung davon haben, was beim Beenden der Einnahme passieren kann“, sagte Henssler. Die Studie erschien im Fachjournal „The Lancet Psychiatry“. 

Quelle: DOI 10.1016/S2215-0366(24)00133-0

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