Helfen Fingerhut-Wirkstoffe bei Herzinsuffizienz – und sind sie sicher? Dieser Frage ist ein Forschungsteam mit einer Studienanalyse nachgegangen. Darin flossen drei Studien mit insgesamt 9.013 Personen im Durchschnittsalter von 65 Jahren ein. Sie alle hatten eine mindestens milde Herzschwäche. Etwa jede zweite Person erhielt die Substanzen (Glykoside) aus Fingerhut (Digitalis), die übrigen ein Scheinmedikament (Kontrollgruppe).
Herzschwäche verschlechtert sich bei weniger Personen mit Fingerhut-Substanzen
Insgesamt starben 41 Prozent der Fingerhut- und 45 Prozent der Kontrollgruppe herzbedingt oder entwickelten eine schwerere Herzinsuffizienz. Dabei scheinen die Substanzen des Fingerhuts vor allem hinsichtlich einer ersten Verschlechterung der Herzinsuffizienz von Bedeutung zu sein: Denn in der Fingerhut-Gruppe verschlechterte sich die Herzschwäche erstmals bei jeder vierten Person (26 Prozent), bei der Kontrollgruppe allerdings bei jeder dritten (33 Prozent).
Herzbedingte Ereignisse und Tod in beiden Gruppen ähnlich häufig
Im Studienzeitraum hatten gleich viele Personen schwerwiegende herzbedingte Ereignisse, etwa einen Herzinfarkt, nämlich 27 Prozent. Auch starben insgesamt in beiden Gruppen sehr ähnlich viele Personen: 32 Prozent vs. 33 Prozent.
Fingerhut-Substanzen könnten Therapie unterstützen
Das Forschungsteam schlussfolgert: Die Behandlung mit Substanzen von Fingerhut ging mit einem geringeren Risiko für herzbedingten Tod oder einer ersten Verschlechterung der Herzinsuffizienz einher. Dabei war vor allem das Risiko für die Verschlechterung geringer. Es stellte keine statistisch bedeutsamen Interaktionen von Fingerhut-Substanzen zu anderen Therapien bei Herzinsuffizienz fest, auch die Form der Fingerhut-Substanzen schien keine Rolle zu spielen. Ihre Erkenntnisse deuteten daher darauf hin, dass die Fingerhut-Substanzen eine zusätzliche medikamentöse Therapie sein könnten, um Verschlechterung von Herzinsuffizienz zu vermeiden.
Achtung: Giftpflanze Fingerhut (Digitalis)
Die Fingerhut-Pflanze ist sehr giftig und eignet sich daher nicht zum Verzehr. Auch können in Pflanzen Wirkstoffgehalte stark schwanken, sodass Folgen kaum absehbar sind. Wer Herzinsuffizienz hat, sollte Therapieentscheidungen mit behandelnden Ärztinnen und Ärzten besprechen und sich gegebenenfalls Rat in Apotheken holen.
Quelle: DOI 10.1001/jama.2026.7886