Depression: Schon zwei Nordic-Walking-Einheiten pro Woche könnten die Symptome lindern

Dr. Frank Schäfer  |  22.07.2026 09:58 Uhr

Ein betreutes Nordic-Walking-Programm könnte depressive Symptome bereits nach fünf Wochen lindern. Darauf deutet eine aktuelle Studie hin. Besonders Teilnehmer mit stärker ausgeprägten Beschwerden profitierten früh von dem Bewegungsprogramm.

Nordic Walking Gruppe im Wald
Nordic Walking war in der Studie mit einer deutlichen Abnahme depressiver Symptome verbunden.
© Daniel de la Hoz/iStockphoto

Wer unter einer Depression leidet, braucht oft Geduld, bis sich Erfolge einer Behandlung zeigen. Umso wichtiger ist die Frage, ob bestimmte Maßnahmen bereits kurzfristig zumindest eine gewisse Erleichterung bringen. Eine neue Studie liefert nun anhand eines betreuten Nordic-Walking-Programms Hinweise, dass körperliche Aktivität zwar nicht unmittelbar, aber doch innerhalb weniger Wochen eine Abnahme depressiver Symptome ermöglichen kann. Die Teilnehmer absolvierten zweimal pro Woche jeweils eine Stunde Nordic Walking unter Anleitung.

Schon nach fünf Wochen besserten sich die Symptome deutlich

An der Untersuchung nahmen 64 Erwachsene aus Frankreich teil, die unter mittelgradigen bis schweren depressiven Symptomen litten. Die Teilnehmer wurden per Zufall einer von zwei Gruppen zugeteilt: 48 Personen absolvierten über volle zehn Wochen ein betreutes Nordic-Walking-Programm, 16 Personen dienten als Kontrollgruppe und erhielten lediglich Informationsmaterial zu Depressionen.

Das Training bestand aus zwei einstündigen Nordic-Walking-Einheiten pro Woche in Gruppen und unter Anleitung eines Trainers. Es wurde ohne Unterbrechung durchgeführt, mit Kontrollen der Pulswerte, die in einem vorgegebenen Bereich bleiben sollten. Die depressive Symptomatik wurde zu Beginn, nach fünf Wochen und nach zehn Wochen mit einem etablierten Fragebogen erfasst.

Das zentrale Ergebnis: Die Nordic-Walking-Gruppe zeigte deutlich stärkere Verbesserungen der Symptome als die Kontrollgruppe. Auffällig war, dass der größte Teil der Symptomabnahme bereits in den ersten fünf Wochen beobachtet wurde. Danach verbesserten sich die Werte zwar weiter, aber deutlich langsamer.

Ein weiterer Befund: Bei Teilnehmern mit schweren depressiven Symptomen zu Beginn der Studie zeigten sich in den ersten fünf Wochen stärkere und schnellere Verbesserungen als bei den Patienten mit mittelgradigen Beschwerden.

Warum die Ergebnisse Hoffnung machen

Körperliche Aktivität gilt auch in Fachleitlinien bereits als unterstützende Maßnahme zur Behandlung von Depressionen. In Frankreich wird dabei eine Dauer von zumindest drei Monaten empfohlen. Die jetzt vorliegenden Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich positive Veränderungen möglicherweise schon früher zeigen können. Das ist besonders deswegen günstig, weil viele Menschen mit Depressionen aufgrund von Antriebslosigkeit und Erschöpfung oft Schwierigkeiten haben, langfristige Bewegungsprogramme durchzuhalten.

Was die Studie nicht zeigen kann

Die Studie – erschienen im Fachjournal „Journal of Affective Disorders“ – hat einige Einschränkungen. So hatten die Forscher keine Informationen über die laufende Behandlung der Teilnehmer mit Antidepressiva oder Psychotherapien. Daher lässt sich nicht sicher ausschließen, dass zumindest ein Teil der Verbesserungen auch durch Veränderungen und Einflüsse der Therapie eintrat. 

Außerdem handelte es sich um eine offene Studie: Die Teilnehmer wussten, ob sie am Bewegungsprogramm oder in der Kontrollgruppe teilnahmen. Auch soziale Kontakte während der Gruppentreffen oder die Betreuung durch Trainer könnten zu den positiven Effekten beigetragen haben. Die meisten Teilnehmer waren zudem Frauen, daher bleibt es unklar, inwieweit sich die Ergebnisse auf Männer übertragen lassen. 

Was bedeutet das für die Therapie?

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass betreute Bewegungsprogramme eine sinnvolle Ergänzung der Depressionsbehandlung sein können. Ob sich die positiven Effekte auch langfristig halten und wie groß ihr Anteil im Vergleich zu Medikamenten oder Psychotherapie ist, müssen weitere Studien zeigen. Änderungen einer Behandlung gegen Depressionen sollten Patienten immer mit den behandelnden Ärzten und Therapeuten besprechen.

Quelle: DOI 10.1016/j.jad.2026.121618

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