Bewegung verbessert auch das Überleben
Die Ergebnisse sind deutlich: Nach fünf Jahren waren 80,3 Prozent der Studienteilnehmer mit Bewegungstraining krankheitsfrei, in der Vergleichsgruppe 73,9 Prozent. Auch beim Gesamtüberleben zeigte sich ein Vorteil. Nach acht Jahren lebten noch 90,3 Prozent der Teilnehmer aus der Bewegungsgruppe, verglichen mit 83,2 Prozent in der Kontrollgruppe.
Untersucht wurden Patienten, deren Dickdarmkrebs operativ entfernt worden war und die anschließend eine Chemotherapie abgeschlossen hatten. Ein Teil erhielt lediglich Informationsmaterial zu Gesundheit und Bewegung. Die andere Gruppe absolvierte zusätzlich über drei Jahre ein begleitetes Bewegungsprogramm.
Neue Darmkrebs-Leitlinie empfiehlt gezieltes Bewegungstraining
Dass Bewegung nach Darmkrebs mit besseren Krankheitsverläufen zusammenhängt, legten Beobachtungsstudien schon länger nahe. Die sogenannte CHALLENGE-Studie liefert nun einen deutlich belastbareren Beleg. In der randomisierten Phase-3-Studie wurden 889 Patienten untersucht.
Die Ergebnisse haben inzwischen Eingang in die aktualisierte S3-Leitlinie zum kolorektalen Karzinom gefunden. Solche Leitlinien fassen den aktuellen Stand der Forschung zusammen und geben Ärzten Empfehlungen für die Behandlung. Nach Operation und Chemotherapie wird nun ausdrücklich ein angeleitetes Bewegungsprogramm empfohlen. Darauf macht die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) aufmerksam.
„Angeleitete körperliche Aktivität kann das krankheitsfreie Überleben und das Gesamtüberleben signifikant verbessern“, sagt Christian Pox, Chefarzt der Medizinischen Klinik am Krankenhaus St. Joseph-Stift Bremen und Mitautor der Leitlinie.
Schon zügiges Gehen kann Teil des Trainings sein
Ziel des Programms war eine spürbare, aber realistische Steigerung der körperlichen Aktivität. Dafür sind keine sportlichen Höchstleistungen nötig. Geeignet sein können beispielsweise regelmäßiges zügiges Gehen, Radfahren, Schwimmen oder Joggen.
Betroffene sollten den Wiedereinstieg gemeinsam mit ihrem Behandlungsteam planen. Dabei spielen unter anderem die Ausgangsfitness, Begleiterkrankungen und mögliche Folgen der Krebstherapie eine Rolle. Fachliche Begleitung kann sinnvoll sein, etwa durch Physiotherapie, Rehabilitationssport oder qualifizierte Bewegungsangebote für Krebspatienten.
Warum das Training individuell angepasst werden sollte
Die Studienergebnisse zeigen auch, dass ein begleitetes Training Beschwerden verursachen kann. Probleme an Muskeln, Gelenken und Knochen traten bei 18,5 Prozent der Teilnehmer in der Bewegungsgruppe auf. In der Vergleichsgruppe waren 11,5 Prozent betroffen.
Nach einer Darmkrebstherapie sollte das Training deshalb zur individuellen körperlichen Situation passen. Ziel ist eine regelmäßige und langfristige Steigerung der Aktivität, die sich gut in den Alltag integrieren lässt.
Quelle: DOI 10.1056/NEJMoa2502760