Rote Augen sind häufig harmlos – etwa bei trockenen oder gereizten Augen. Kommen jedoch starke Schmerzen, Sehprobleme oder andere Beschwerden hinzu, kann eine ernsthafte Augenerkrankung dahinterstecken. Bei diesen fünf Warnzeichen ist schnelle ärztliche Hilfe wichtig.

Ein geplatztes Äderchen, trockene Augen oder eine Bindehautentzündung: Ein rotes Auge kann viele verschiedene Ursachen haben. Die Rötung entsteht, wenn sich die Blutgefäße der Bindehaut erweitern und das Auge dadurch stärker durchblutet wird.
Meist steckt keine ernsthafte Erkrankung dahinter. Doch allein anhand der Rötung lässt sich nicht erkennen, welcher Teil des Auges betroffen ist. Auch Entzündungen der Hornhaut oder des Augeninneren sowie ein plötzlich stark erhöhter Augeninnendruck können mit einem roten Auge einhergehen.
Der Berufsverband der Augenärztinnen und Augenärzte Deutschlands e.V. rät daher, bei folgenden Symptomen schnell einen Arzt aufzusuchen:
Wird das Sehen auf einem oder beiden Augen plötzlich schlechter, sollte man nicht abwarten. Das gilt erst recht, wenn Teile des Gesichtsfeldes fehlen oder die Sehfähigkeit plötzlich stark eingeschränkt ist.
Der Grund: Ein plötzlicher Sehverlust kann beispielsweise durch einen Gefäßverschluss im Auge verursacht werden. Auch Erkrankungen der Netzhaut, des Sehnervs oder ein akuter Glaukomanfall kommen als Ursache infrage. Einige dieser Erkrankungen können bis zur Erblindung führen.
Auch neu aufgetretene Lichtblitze, ein dunkler Schatten oder „Vorhang“ im Gesichtsfeld sowie zahlreiche plötzlich auftretende schwarze Punkte oder Flocken sind Warnzeichen. Sie können unter anderem auf eine Netzhautablösung oder eine Blutung im Augeninneren hindeuten.
Eine einfache Bindehautentzündung kann unangenehm sein, verursacht aber normalerweise keine ausgeprägten tiefen Augenschmerzen. Starke Schmerzen bei einem roten Auge sind deshalb ein wichtiges Warnsignal.
Eine mögliche Ursache ist eine Uveitis, also eine Entzündung im Inneren des Auges. Ist der vordere Teil des Auges betroffen, können neben der Rötung Schmerzen, verstärkter Tränenfluss, verschwommenes Sehen und eine ausgeprägte Lichtempfindlichkeit auftreten.
Auch eine Entzündung oder Verletzung der Hornhaut kann Schmerzen, Lichtscheu und eine Verschlechterung des Sehens verursachen. Besonders aufmerksam sollten Kontaktlinsenträger sein: Ein rotes, schmerzendes Auge kann bei ihnen auf eine Infektion der Hornhaut hinweisen.
Ein geschwollenes Augenlid ist nicht automatisch gefährlich. Ein Gerstenkorn oder eine allergische Reaktion können beispielsweise Schwellungen verursachen. Alarmzeichen sind jedoch eine ausgeprägte Rötung und Schwellung rund um das Auge zusammen mit Fieber, starkem Krankheitsgefühl, Sehproblemen oder Schmerzen beziehungsweise Einschränkungen bei Augenbewegungen.
Dahinter kann eine bakterielle Infektion in der Augenhöhle stecken, die unter anderem von den Nasennebenhöhlen ausgehen kann. Unbehandelt kann die Infektion das Sehvermögen gefährden und sich weiter ausbreiten.
Ein plötzlich auftretendes rotes und stark schmerzendes Auge in Kombination mit heftigen Kopfschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen ist ebenfalls ein Notfall. Eine mögliche Ursache ist ein Winkelblock, auch Glaukomanfall genannt. Dabei kann das Kammerwasser im Auge plötzlich nicht mehr richtig abfließen und der Augeninnendruck steigt stark an.
Typisch können neben den Schmerzen und der Rötung verschwommenes Sehen und farbige Ringe um Lichtquellen sein. Manche Betroffene fühlen sich wegen der starken Kopfschmerzen und Übelkeit zunächst eher allgemein krank und vermuten die Ursache nicht am Auge. Ein Glaukomanfall muss schnell behandelt werden, da der Sehnerv sonst dauerhaft geschädigt werden kann.
Nach einer Augenverletzung ist ebenfalls schnelles Handeln gefragt. Besonders gefährlich sind scharfe Gegenstände sowie Metall-, Glas- oder andere Fremdkörper, die in das Auge eingedrungen sein könnten. Auch Verletzungen durch Gegenstände, die mit hoher Geschwindigkeit auf das Auge treffen, müssen ärztlich untersucht werden.
Das gleiche gilt für Verätzungen. Gelangen beispielsweise Reinigungsmittel, Säuren oder Laugen ins Auge, sollte sofort mit reichlich klarem Wasser gespült werden. Das Auge dabei möglichst offen halten und anschließend schnellstmöglich medizinische Hilfe suchen.
Steckt ein Fremdkörper im Auge, sollte man nicht daran reiben und nicht versuchen, einen festsitzenden oder eingedrungenen Gegenstand selbst zu entfernen.
Nicht immer liegt die Ursache eines roten Auges ausschließlich am Auge selbst. Entzündungen tiefer liegender Augenstrukturen können beispielsweise mit rheumatologischen Erkrankungen zusammenhängen. Prof. Dr. Uwe Pleyer von der Klinik für Augenheilkunde an der Charité – Universitätsmedizin Berlin erläutert: „Autoimmunstörungen machen sich zu Beginn oft mit einem roten Auge bemerkbar und erfordern eine fachärztliche Abklärung sowie interdisziplinäre Zusammenarbeit.“ Vor allem bei jungen Männern kann eine entzündete Regenbogenhaut auf einen Morbus Bechterew hinweisen, eine chronisch-entzündliche rheumatische Erkrankung. Wird ein solcher Zusammenhang früh erkannt, können Diagnose und Behandlung entsprechend früher erfolgen.
Ein rotes Auge ohne Schmerzen und ohne Beeinträchtigung des Sehens hat häufig eine weniger bedrohliche Ursache. Dazu gehören beispielsweise trockene Augen, Allergien oder eine unkomplizierte Bindehautentzündung. Auch ein geplatztes Äderchen unter der Bindehaut sieht oft dramatisch aus, ist aber meist harmlos. Trotzdem gilt: Auch ohne akute Warnzeichen sollten rote Augen untersucht werden, wenn sie nicht innerhalb von ein bis zwei Tagen von selbst wieder abklingen.
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