Krankheitsbild
Die Bindehautentzündung bei Neugeborenen, auch Neugeborenenkonjunktivitis oder Ophthalmia neonatorum genannt, ist eine Entzündung der Bindehaut in den ersten vier Lebenswochen. Ist die Bindehaut entzündet, erscheint das Auge gerötet, gereizt und produziert vermehrt Sekret. Ursache sind häufig Viren oder Bakterien, die während der Geburt von der Mutter auf das Kind übertragen werden.
Symptome/Verlauf
Typische Anzeichen sind gerötete Augen, geschwollene Lider sowie wässriger, schleimiger oder eitriger Ausfluss. Der Zeitpunkt des Auftretens kann Hinweise auf die Ursache geben: Eine Gonokokken-Infektion zeigt sich meist sehr früh - oft in den ersten Lebenstagen - und geht häufig mit starkem eitrigem Ausfluss und deutlicher Lidschwellung einher. Eine durch Chlamydien verursachte Entzündung beginnt häufig zwischen dem 5. und 14. Lebenstag. Eine Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus tritt in der Regel nach ein bis zwei Wochen auf.
Folgen/Komplikationen
Unbehandelt kann eine schwere bakterielle Infektion auf die Hornhaut übergreifen. Dadurch können Geschwüre, Narben und bleibende Sehschäden entstehen. In schweren Fällen besteht sogar das Risiko einer dauerhaften Sehbeeinträchtigung. Bei einer Chlamydien-Infektion kann sich der Erreger zusätzlich im Nasen-Rachen-Raum ansiedeln. Ein Teil der betroffenen Kinder entwickelt im weiteren Verlauf eine Lungenentzündung. Daher ist eine frühzeitige Diagnose und Behandlung besonders wichtig.
Ursachen/Risikofaktoren
Häufigste Ursache sind Bakterien, seltener Viren. Viele Erreger werden während der Geburt durch Kontakt mit Vaginalsekret auf das Kind übertragen. Dazu zählen vor allem Chlamydien oder Gonokokken. Auch Herpes-simplex-Viren können eine Bindehautentzündung verursachen. Ein weiteres Risiko ist eine nicht-infektiöse Reaktion auf vorbeugend verabreichte Augentropfen. Daneben sind chemische Reizungen durch Augentropfen, die direkt nach der Geburt gegeben werden, möglich. Zur Vorbeugung einer Bindehautentzündung werden antibiotische oder antiseptische Augentropfen eingesetzt.
Das kann helfen
Das macht der Arzt: Die Behandlung richtet sich nach der Ursache: Bakterielle Infektionen werden mit Antibiotika behandelt, teils als Augentropfen oder -salbe, bei bestimmten Erregern zusätzlich als Medikament zum Einnehmen oder über die Vene. Bei Chlamydien ist meist eine systemische Therapie erforderlich, da auch andere Körperbereiche betroffen sein können. Bei Verdacht auf eine Herpesinfektion werden antivirale Medikamente eingesetzt.
Das kann man selbst tun: Bei Verdacht auf eine Bindehautentzündung unbedingt einen Arzt aufsuchen.
Quellenangaben:
Gruber, Christoph; Gruber Sarah, Pädiatrie, Elsevier (Urban & Fischer), (2010), 2. Auflage - Mehrle, Augenheilkunde, Elsevier (Urban & Fischer), (2010), 8.Auflage
Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.