Krankheitsbild
Das Sjögren-Syndrom ist eine entzündlich-rheumatische Autoimmunerkrankung. Dabei richtet sich das Immunsystem gegen körpereigene Drüsen, die Feuchtigkeit produzieren, zum Beispiel Tränen- und Speicheldrüsen. Die Augen sind zwar nicht immer zu Beginn betroffen, im Verlauf entwickeln jedoch die meisten Betroffenen eine Augenbeteiligung. Typisch ist ein sogenanntes "trockenes Auge". Auch die Speicheldrüsen sind häufig betroffen, was zu Mundtrockenheit führt. Darüber hinaus können weitere Schleimhäute sowie andere Organsysteme beteiligt sein. Viele Betroffene berichten zusätzlich über allgemeine Beschwerden wie Müdigkeit und Leistungsabfall. Frauen sind etwa zehnmal häufiger von der Sjögren-Krankheit betroffen als Männer, und sie tritt in der Regel im Alter zwischen 45 und 55 Jahren auf. Die Symptome können unterschiedlich stark ausgeprägt sein, aber die Patienten können oft ein normales Leben führen.
Symptome / Verlauf
Die häufigsten Symptome des Sjögren-Syndroms sind trockene Augen und Mund, die mit einer Entzündung der Tränenkanäle und Speicheldrüsen zusammenhängen.
- Augen: Bei den Augen äussert sich die Erkrankung häufig durch ein Fremdkörper- oder Sandkorngefühl, Brennen oder Rötung. Die Augen können manchmal paradoxerweise auch vermehrt tränen.
- Mund: Im Mund macht sich das Sjögren-Syndrom oft durch Speichelmangel bemerkbar. Dadurch kann es schwierig sein, zu sprechen, trockene Lebensmittel zu essen oder zu schlucken. Der Mund fühlt sich oft trocken oder wie mit Watte gefüllt an. Manche Betroffene wachen nachts auf und haben das Gefühl, etwas trinken zu müssen
Das Sjögren-Syndrom kann neben Augen und Mund auch andere Körperteile befallen, zum Beispiel die Gelenke, Lungen, Nieren, Verdauungsorgane oder das Nervensystem. Weitere Symptome sind:
- Müdigkeit und Gefühl der Erschöpfung
- Gelenk- und Muskelschmerzen,
- trockene Haut
- Hautausschlag
- vaginale Trockenheit
- geschwollene Drüsen, insbesondere hinter dem Kiefer und vor den Ohren
Folgen / Komplikationen
Anhaltend trockene Augen können die Augenoberfläche schädigen und Entzündungen begünstigen. Auch die Mundtrockenheit kann langfristig Probleme verursachen, etwa beim Kauen, Sprechen oder durch ein erhöhtes Risiko für Karies und Zahnfleischerkrankungen. Da es sich um eine systemische Erkrankung handelt, können bei manchen Betroffenen weitere Organe betroffen sein. Dies kann die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen.
Ursachen / Risikofaktoren
Das Sjögren-Syndrom ist eine Autoimmunerkrankung, deren genaue Ursache bislang nicht vollständig geklärt ist. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Die Erkrankung tritt oft im mittleren Lebensalter auf, aber auch jüngere können davon betroffen sein. Liegt eine andere rheumatische Erkrankung vor, ist das Risiko für das Sjögren-Syndrom erhöht.
Das kann helfen
Das macht der Arzt: Zur Behandlung der Augenbeschwerden steht zunächst eine lokale Therapie im Vordergrund. Häufig werden Tränenersatzmittel eingesetzt, die den natürlichen Tränenfilm unterstützen ("künstliche Tränen"). Bei entzündlichen Veränderungen können zeitlich begrenzt entzündungshemmende Augentropfen sinnvoll sein. Für eine längerfristige Behandlung kommen auch Medikamente infrage, die gezielt gegen die Entzündung wirken. Je nach Ausprägung der Erkrankung kann auch eine fachübergreifende Betreuung notwendig sein.
Das kann man selbst tun: Im Alltag können Betroffene einiges tun, um Beschwerden an Augen und Mund zu lindern. Folgende Verhaltenstipps können helfen:
- auf eine möglichst feuchte Raumluft achten
- Zugluft, Rauch und trockener Luft durch Klimaanlagen oder Heizung möglichst vermeiden
- Augen durch eine (Sonnen-) Brille vor Wind schützen, damit sie nicht noch stärker austrocknen.
- Augen regelmässig kurz schliessen, um weiteres Austrocknen zu vermeiden
- bei Bildschirmarbeit regelmässig Pausen einlegen und für kurze Zeit in die Ferne schauen
- ausreichend trinken
- Kaugummikauen regt die Speicheldrüsen zur Produktion an und bewirkt, dass der Mund nicht so stark austrocknet.
- Bei sehr trockenem Mund hilft die Anwendung von künstlichem Speichel.
Quellenangaben:
Thews, Mutschler, Vaupel, Anatomie, Physiologie und Pathophysiologie des Menschen, WVG, (2007), 5. Aufl. - Mehrle, Augenheilkunde, Elsevier (Urban & Fischer), (2010), 8.Auflage - Brunkhorst, Schölmerich, Differenzialdiagnostik und Differenzialtherapie, Elsevier (Urban & Fischer), (2010), 1. Auflage - Herold, Innere Medizin, Herold, (2011)
Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.