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Warum längeres Ausatmen risikofreudiger machen könnte

Hanke Huber  |  08.09.2026 08:35 Uhr

Wie wir atmen, beeinflusst offenbar nicht nur Herzschlag und Entspannung, sondern möglicherweise auch unsere Entscheidungen. Eine kleine experimentelle Studie zeigt: Wer langsam atmet und länger ausatmet, bewertet mögliche Belohnungen stärker – und entscheidet sich eher für ein Risiko.

Mann atmet tief durch im freien.
Ein paar bewusste, langsame Atemzüge beeinflussen, wie wir Entscheidungen treffen.
© Pheelings Media/iStockphoto

Atmung verändert Herz und Gehirn

Forschende des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE), der Charité – Universitätsmedizin Berlin und weiterer Einrichtungen untersuchten, ob sich Entscheidungen durch eine bewusste Veränderung der Atmung beeinflussen lassen. „Unsere Entscheidungen werden nur selten allein durch äußere Informationen bestimmt. Vielmehr entsteht unser Urteilsvermögen aus dem Zusammenspiel von Denkprozessen und unserem aktuellen körperlichen Zustand“, erklärt Prof. Soyoung Q Park vom DIfE.

Langes Ausatmen machte risikofreudiger

An der Studie nahmen 41 gesunde Personen teil. Während sie verschiedene Entscheidungen unter Risiko trafen, atmeten sie entweder in ihrem normalen Rhythmus oder bewusst langsamer. Dabei war die Ausatmungsphase deutlich länger als die Einatmungsphase (Atemverhältnis 8:2). Gleichzeitig zeichneten die Forschenden unter anderem Herzaktivität, Atmung und Gehirnaktivität mittels funktioneller Magnetresonanztomografie auf.

Mögliche Belohnungen rückten stärker in den Fokus

Bei der langsamen Atmung mit verlängerter Ausatmung sank die Herzfrequenz, während sich die Herzfrequenzvariabilität veränderte. Gleichzeitig entschieden sich die Teilnehmenden risikofreudiger.

Dabei wurden sie offenbar nicht unempfindlicher gegenüber möglichen Verlusten. Stattdessen reagierte ihr Gehirn stärker auf mögliche Belohnungen. Unter anderem zeigten sich Veränderungen im ventromedialen präfrontalen Kortex und im Precune – Hirnregionen, die an der Verarbeitung von Belohnungen und an der Regulation körperlicher Vorgänge beteiligt sind.

„Das Zusammenspiel von Atmung und Herzaktivität macht das Gehirn empfänglicher für Belohnungen“, fasst Erstautor Wenhao Huang die Ergebnisse zusammen.

Auch für das Essverhalten interessant

Die Forschenden wollen nun untersuchen, ob sich die Ergebnisse auch auf andere Personengruppen übertragen lassen. Besonders interessiert sie, ob gezielte Atemtechniken Entscheidungen rund ums Essen beeinflussen könnten. Denn auch dabei spielen Belohnung und körperlicher Zustand eine Rolle.

Ob Atemübungen tatsächlich im Alltag zu anderen Entscheidungen führen oder sich beispielsweise therapeutisch nutzen lassen, lässt sich aus der kleinen Laborstudie noch nicht ableiten. Die Ergebnisse liefern jedoch Hinweise darauf, wie eng Atmung, Herz, Gehirn und Entscheidungsverhalten miteinander verbunden sein könnten.

Quelle: DOI 10.1016/j.neuron.2026.04.044

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