Wer sich vor dem Impfen auf eine positive Erwartungshaltung fokussierte, bildete mehr Antikörper. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie aus Isreal, die im renommierten Fachblatt Nature Medicine veröffentlicht wurde. Allerdings hatten die Forscher nicht das bekannte „Positive Denken“ oder Wirkungen von Optimismus erforscht.
Studie in Nature Medicine: Gehirntraining statt „positivem Denken“
Stattdessen hatte das Forschungsteam spezielle Gehirntrainings mit einer bestimmten Magnetresonanztomographie (MRT) verwendet: So lernten 68 Teilnehmende mit mentalen Strategien wie Gedanken, Gefühlen und Erinnerungen spezifische Gehirnareale zu aktivieren. 17 Freiwillige gehörten zu einer Kontrollgruppe.
Das Ventrale Tegmentale Areal: Zentrum für Belohnung und Erwartung
Besonders im Fokus stand das „Ventrale Tegmentale Areal“ (VTA). Dieses Gebiet im Gehirn ist unter anderem an der Verarbeitung von Belohnungen und positiver Erwartung beteiligt.
Die Teilnehmenden trainierten gezielt, die Aktivität dieses Areals zu steigern. Andere Probanden aktivierten hingegen verschiedene Gehirnbereiche, darunter auch solche, die ebenfalls mit Belohnung zusammenhängen – jedoch nicht das VTA.
VTA-Aktivität und Antikörper-Level
Direkt nach dem Training erhielten alle Probanden eine Impfung gegen Hepatitis B und gaben Blutproben ab. Diese analysierte das Forschungsteam hinsichtlich der Immunreaktion anhand der Antikörper.
So fand es heraus: Die Studienteilnehmer, die die Gehirnaktivität im VTA erhöhten, wiesen nach der Impfung höhere Antikörperwerte auf. Bei Teilnehmenden, die andere Gehirnregionen aktiviert hatten, ließ sich dieser Zusammenhang nicht beobachten.
Positive Erwartung half, die Gehirnaktivität aufrechtzuerhalten
Das Forschungsteam beobachtete zudem, dass Teilnehmende die Aktivierung des VTA besonders gut stabil halten konnten, wenn sie dabei Gefühle wie Aufregung, Zuversicht oder den Glauben an ein gutes Ergebnis nutzten.
„Unsere Studie zeigt, dass das Gehirn nicht nur ein System ist, das auf den Gesundheitszustand des Körpers reagiert, sondern auch ein aktiver Mitgestalter, das ihn beeinflusst“, schreibt das Autorenteam in einer Mitteilung zur Veröffentlichung.
Was die Ergebnisse bedeuten – und was noch offen ist
Die Forschenden betonen, dass es sich um erste Hinweise handelt und weitere Studien nötig sind. Langfristig könnten solche Erkenntnisse dazu beitragen, nicht-invasive Methoden zu entwickeln, die die Immunreaktion unterstützen – auch wenn individuelle Unterschiede dabei eine große Rolle spielen.
Quelle: DOI 10.1038/s41591-025-04140-5