Gegen Hitzewallungen und andere Wechseljahresbeschwerden versprechen zahlreiche Präparate pflanzliche Hilfe. Doch im Test von 23 Produkten schneiden sämtliche Nahrungsergänzungsmittel schlecht ab. Zugelassene pflanzliche Arzneimittel überzeugen dagegen bei der Wirksamkeit.

Die hormonellen Veränderungen in den Wechseljahren können mit zahlreichen Beschwerden einhergehen. Dazu gehören unter anderem Hitzewallungen, Nachtschweiß, Gedächtnisprobleme, Reizbarkeit, depressive Verstimmungen oder Herzrasen. Nicht immer kommt eine Hormonersatztherapie für die betroffene Frau infrage. Als Alternative werden zahlreiche pflanzliche Präparate und Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Doch wie gut helfen sie?
Öko-Test ließ sechs pflanzliche Arzneimittel und 17 Nahrungsergänzungsmittel von Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz und Dr. Mario Wurglics von der Goethe-Universität Frankfurt am Main bewerten. Das Ergebnis fiel sehr unterschiedlich aus: Die Wirksamkeit der getesteten pflanzlichen Arzneimittel beurteilten die Experten positiv. Von den Nahrungsergänzungsmitteln kam dagegen keines über die Gesamtnote „mangelhaft“ hinaus.
Bei den sechs getesteten Phytopharmaka handelt es sich um zugelassene Arzneimittel. Sie enthalten Extrakte aus Traubensilberkerze (Cimicifuga) oder Rhapontik-Rhabarberwurzel. Ein Präparat kombiniert Traubensilberkerze mit Johanniskraut.
Die beiden Experten bewerteten die Wirksamkeit aller sechs pflanzlichen Arzneimittel mit „gut“. Drei Präparate mit Traubensilberkerze erhielten auch von Öko-Test insgesamt die Note „gut“. Für ein „sehr gut“ reichte es nicht, weil einige für die Zulassung relevante Studien nach Einschätzung der Tester nicht mehr heutigen wissenschaftlichen Standards entsprechen. Bei drei Arzneimitteln führte außerdem der Einsatz bestimmter Hilfsstoffe zu einer deutlichen Abwertung.
Bei drei Präparaten bemängelte Öko-Test den Einsatz von Talkum. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) stuft Talkum als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. Pharmazeutisches Talkum ist zwar frei von Asbestrückständen, nach Auffassung von Öko-Test lässt sich eine krebserzeugende Eigenschaft jedoch nicht ausschließen.
Bei zwei Präparaten führte zudem Titandioxid zu einem Punktabzug. Der Stoff wird unter anderem als Tablettenbeschichtung eingesetzt und schützt empfindliche Wirkstoffe vor der Zersetzung durch UV- und Tageslicht. Die europäischen Zulassungsbehörden stufen das Risiko für Patienten als extrem gering und vertretbar ein. Öko-Test bewertet den Einsatz dennoch kritisch.
Anders fiel das Urteil bei den 17 Nahrungsergänzungsmitteln aus. Keines erhielt eine bessere Gesamtnote als „mangelhaft“.
Bei Produkten mit Isoflavonen sehen die Tester zumindest Hinweise auf einen möglichen Nutzen. Ein Evidenzbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zur „S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause“ legt demnach nahe, dass mindestens 30 Milligramm Isoflavone täglich Wechseljahresbeschwerden günstig beeinflussen können. Bei vielen Produkten sei die enthaltene Menge jedoch nicht angegeben.
Kritisch bewerteten die Tester außerdem die Kombination zahlreicher Inhaltsstoffe sowie den Zusatz verschiedener Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente.
Auch die beiden Arzneimittelexperten beurteilen Kombinationspräparate kritisch. „Das Potenzial für Interaktionen mit anderen Stoffen, etwa Arzneimitteln, wird deutlich unterschätzt“, so Schubert-Zsilavecz gegenüber Öko-Test. Bei Nahrungsergänzungsmitteln sei die genaue Zusammensetzung beziehungsweise der für einen Nutzen erforderliche Gehalt teilweise unbekannt.
Auch zugesetzte Vitamine sind nicht automatisch hilfreich gegen Wechseljahresbeschwerden. Vitamin B6 darf beispielsweise mit der Aussage beworben werden, dass es zur normalen Regulierung der Hormontätigkeit beiträgt. Den Rückgang der Produktion von Estrogen und Progesteron in den Wechseljahren kann Vitamin B6 jedoch weder verhindern noch ausgleichen.
Zusätzlich stellte „Öko-Test“ bei 15 der 17 Nahrungsergänzungsmittel Mängel bei der Kennzeichnung fest: Mindestens einer der von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) oder dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) geforderten Hinweise fehlte.
Das Gesamturteil fällt entsprechend deutlich aus: Alle untersuchten Nahrungsergänzungsmittel erhielten von „Öko-Test“ lediglich die Note „mangelhaft“ oder „ungenügend“.
Wähle aponet.de als eine bevorzugte Nachrichtenquelle bei Google und entdecke unsere aktuellen Gesundheitsnews häufiger in deinen News-Empfehlungen.
Alle zwei Wochen neu: die aktuelle Liste der zuzahlungsfreien Arzneimittel.
Medikamenten-Name oder Wirkstoff eingeben für mehr Informationen.
Im Fokus diesmal: Wie lange man vor der Blutabnahme nüchtern bleiben muss, der Effekt von Bewegung…
aus Apotheke, Forschung und Gesundheitspolitik.
In diesem Lexikon finden Sie umfassende Beschreibungen von etwa 400 Krankheitsbildern