Vitamine, Mineralstoffe & Co sind rezeptfrei erhältlich. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie völlig unbedenklich sind, warnt Apothekerin Ursula Funke, frühere Präsidentin der Landesapothekerkammer Hessen. Denn Nahrungsergänzungsmittel können unter anderem die Wirksamkeit von Medikamenten beeinflussen. Bei anderen kommt es in Kombination mit Medikamenten zu stärkeren Nebenwirkungen.
Vorsicht bei Eisentabletten mit Ibuprofen oder Paracetamol
Ein Beispiel für ausgeprägtere Nebenwirkungen durch die Kombination von Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten: Eisentabletten können die Schleimhaut von Magen und Darm reizen, was zu Sodbrennen, Übelkeit und Verdauungsbeschwerden führen kann. Schmerzmittel wie ASS, Diclofenac, Ibuprofen und Paracetamol können diese Nebenwirkung noch verstärken.
Herzpatienten: Zuviel Kalium mit Schmerzmitteln möglich
Auch hinsichtlich Kalium spielen die ACE-Hemmer und Schmerzmittel wie ASS, Diclofenac, Ibuprofen und Paracetamol besonders bei Herzpatienten eine Rolle: Sie vermindern die Ausscheidung von Kalium über die Nieren. Bei einigen Erkrankungen von Herz, Leber oder Nieren werden harntreibende Medikamente eingenommen, die den Körper zwar zur vermehrten Ausscheidung von Natrium über die Nieren veranlassen, nicht jedoch von Kalium. Wenn zusätzlich zu diesen Medikamenten Kalium als Nahrungsergänzung eingenommen wird, kann sich die Konzentration im Blut gefährlich stark erhöhen.
Bei Kalium besonders aufpassen sollten auch Patienten, die herzwirksame Glykoside einnehmen. Diese Medikamentengruppe wird gegen Herzrhythmusstörungen eingesetzt. Der Herzschlag wird dadurch langsamer, aber kräftiger. Eine erhöhte Kaliumkonzentration jedoch verringert die Wirkung der Herzglykoside.
Antibiotika und Schilddrüsenpräparate: Achtung Calcium, Magnesium, Zink oder Eisen
Vorsicht geboten ist auch bei den Mineralstoffen Calcium, Magnesium, Zink und Eisen: Sie können die Aufnahme verschiedener Antibiotika und Schilddrüsenpräparate vermindern. Der zeitliche Abstand zwischen der Einnahme dieser Substanzen und der Medikamente sollte daher möglichst groß sein, mindestens jedoch zwei Stunden betragen.
Vitamin C und Thrombosemedikamente
Die als Vitamin C bekannte Ascorbinsäure ist an vielen Vorgängen des Körpers beteiligt und interagiert auch mit Arzneistoffen. Ascorbinsäure kann die Aufnahme von Eisen im Darm verbessern, aber die Wirkung von Thrombosemedikamenten abschwächen.
Vitamin A und schwere Akne
Wer Tabletten mit Isotretinoin gegen schwere Akne einnimmt, sollte auf Vitamin A als Nahrungsergänzungsmittel verzichten. Die zusätzliche Einnahme von Vitamin A würde zu einer Überdosierung führen, denn der Wirkstoff Isotretinoin ist ein Vitamin-A-Derivat.
Achtung bei Vitamin K und bestimmten Blutverdünnern
Vitamin K ist in Kohl, Brokkoli und Hülsenfrüchten enthalten und trägt zum Erhalt normaler Knochen bei. Zusammen mit bestimmten Enzymen spielt es eine Rolle bei der Blutgerinnung. Einige Medikamente zur Vorbeugung von Thrombosen oder Embolien, zum Beispiel Warfarin, sind sogenannte Vitamin-K-Antagonisten, also Gegenspieler dieses Vitamins. Wer diese Art von Blutverdünnern einnimmt, sollte zusätzliches Vitamin K aus Nahrungsergänzungsmitteln vermeiden, weil es den Medikamenten entgegenwirken würde. Da Vitamin K mit anderen Nahrungsergänzungsmitteln in Kombipräparaten, zum Beispiel mit Vitamin D, vorkommt, sollten sich Patienten in der Apotheke vor Ort beraten lassen.
Vitamin D: Besser genau hinschauen
Arzneimittel wie Epilepsie-Präparate, Blutdrucksenker, Kortison und Krebsmedikamente können den Stoffwechsel von Vitamin D beeinflussen, was zu einem erhöhten Bedarf führen kann. Das pflanzliche Beruhigungsmittel Johanniskraut verstärkt den Abbau von Vitamin D. Wer diese Medikamente einnimmt und daher zusätzlich Vitamin D einnehmen muss, dem rät Funke, apothekenpflichtige Präparate wählen, da sie genauere Vitamin-D-Gehalte aufweisen als freiverkäufliche.
Folsäure
Folsäure ist ein Vitamin, das für die Neubildung von Zellen benötigt wird. Die Einnahme von Folsäure wird Frauen bei Kinderwunsch und Schwangeren im ersten Schwangerschaftsdrittel empfohlen. Folsäure kann jedoch die Wirkung bestimmter Medikamente gegen Epilepsie abschwächen.
Über Nahrungsergänzungsmittel sprechen
Wer Medikamente verschrieben bekommt, sollte in der Arztpraxis und der Apotheke angeben, ob er Nahrungsergänzungsmittel einnimmt und falls ja, welche. Patienten, die mehr als fünf Arzneimittel regelmäßig einnehmen, haben zudem Anspruch auf eine Medikationsberatung in der Apotheke. Auch dabei sollten Nahrungsergänzungsmittel besprochen werden, um Wechselwirkungen zu vermeiden.