Sollte künftig auch das Gespräch mit dem Beifahrer Punkte in Flensburg einbringen? Aus Gründen der Sicherheit wäre das nicht ganz abwegig. Forschende der Fujita Health University in Japan stellten bei Tests mit 30 Personen fest, dass Sprechen eine starke kognitive Belastung darstellt, die Augenbewegungen verzögern kann.
Fragen beantworten, Hörbuch lauschen und in Ruhe verglichen
Die Teilnehmenden sollten so schnell und genau wie möglich auf einen roten Punkt schauen, der aus unterschiedlichen Richtungen auf einem schwarzen Bildschirm in ihrem peripheren Blickfeld auftauchte. Die Aufgabe erfüllten die Probanden unter drei verschiedenen Bedingungen: Einmal sollten sie gleichzeitig Fragen der Versuchsleiter beantworten, ein andermal einem Hörbuch lauschen und im Kontrollgang hatten sie keine zusätzliche Belastung.
Verzögerte Wahrnehmung
Das Forschungsteam wertete die Eye-Tracker aus und stellte fest: Bei allen Teilnehmenden waren die Augenbewegungen langsamer, wenn sie sich unterhielten. Das betraf drei zeitliche Aspekte des Blickverhaltens:
- die Reaktionszeit, um nach dem Auftreten des Punkts die Augenbewegung zu starten,
- die Bewegungszeit, um den Punkt mit dem Blick zu erreichen und
- die Anpassungszeit, um den Blick auf den Punkt zu fokussieren.
Es änderte sich nicht nur die Blickgeschwindigkeit, sondern auch die Blickgenauigkeit.
Langsamere Wahrnehmung im Straßenverkehr möglich
Die Gefahr bei einer Unterhaltung: Die Person würde Ampeln, Verkehrszeichen, andere Autos oder auch Fußgänger und Gegenstände auf der Fahrbahn langsamer wahrnehmen. Ausweichen und Bremsen könnten sich verzögern. Beim Zuhören und im Kontrolltest traten dagegen keine Veränderungen auf.
Die Studienautoren mahnen, dass sich Autofahrer und Autofahrerinnen den Unfallrisiken durch Gespräche hinterm Steuer bewusst sein sollten. Die Erkenntnisse könnten zudem helfen, neue Regularien zu erarbeiten. Zuhören wäre aber zumindest noch gestattet. Und vermutlich wird ein smartes Auto ohnehin sofort mitbekommen, wenn die Fahrerin oder der Fahrer zu viel redet.
DOI: 10.1371/journal.pone.0333586