Wie gut jemand mit belastenden Gefühlen umgehen kann, könnte bei der Behandlung einer Alkoholabhängigkeit eine wichtige Rolle spielen. Forschende untersuchten deshalb bei 194 Erwachsenen mit moderater bis schwerer Alkoholabhängigkeit, ob ein gezieltes Training zur Emotionsregulation die Behandlung verbessern kann.
Alle Teilnehmer erhielten über zwölf Wochen eine kognitive Verhaltenstherapie (KVT), eine etablierte Behandlung bei Alkoholabhängigkeit. Ein Teil nahm zusätzlich an einem Training zur Emotionsregulation teil. Die Vergleichsgruppe erhielt ebenfalls eine zusätzliche Behandlung, die sich mit Gesundheit und Lebensstil beschäftigte.
Mehr alkoholfreie Tage noch ein Jahr später
Das Ergebnis: Die Teilnehmer mit dem zusätzlichen Emotionstraining verbrachten einen größeren Anteil der Tage ohne Alkohol als die Vergleichsgruppe. Dieser Unterschied zeigte sich direkt nach dem Ende der zwölfwöchigen Behandlung sowie drei, sechs und zwölf Monate später.
So lernen Betroffene, anders auf Stress und negative Gefühle zu reagieren
Die sogenannte Emotion Regulation Treatment (ERT) kombiniert Elemente aus verschiedenen psychotherapeutischen Ansätzen. Dazu gehören Strategien aus der dialektisch-behavioralen Therapie, Achtsamkeitsübungen und Methoden zum Umgang mit belastenden Gefühlen. Die Teilnehmer lernen dabei konkrete Strategien, mit denen sie auf Stress, negative Gefühle oder andere schwierige Erfahrungen reagieren können, ohne automatisch zum Alkohol zu greifen.
Während der Therapie hielten die Teilnehmer täglich und wöchentlich fest, wie sie sich fühlten, wie stark ihr Verlangen nach Alkohol war und wie sie mit belastenden Situationen umgingen. Dabei zeigte sich: Das Emotionstraining verringerte negative Gefühle oder das Verlangen nach Alkohol offenbar nicht entscheidend. Die Teilnehmer setzten jedoch schon früh häufiger hilfreiche Strategien ein, um mit solchen Situationen umzugehen.
Diese Fähigkeiten könnten für den Behandlungserfolg eine wichtige Rolle spielen: Teilnehmer, die hilfreiche Bewältigungsstrategien häufiger nutzten, hatten am Ende der Behandlung mehr alkoholfreie Tage. Entscheidend könnte demnach sein, belastende Gefühle besser zu bewältigen.
Bei starkem Alkoholkonsum zeigte sich kein Vorteil
Die Ergebnisse haben allerdings Grenzen. Zwar war das zusätzliche Emotionstraining mit einem höheren Anteil alkoholfreier Tage verbunden. Bei der Zahl der Tage mit besonders starkem Alkoholkonsum unterschieden sich die beiden Gruppen jedoch nicht. Zudem beschreiben die Autoren den Effekt auf die Trinkhäufigkeit als moderat.
Quelle: DOI 10.1111/acer.70350