Viele Menschen verzichten ganz bewusst auf Alkohol
Der Alkoholkonsum in Deutschland nimmt seit Jahren ab. Gerade bei den Jüngeren zeigt sich das besonders deutlich. Nach Zahlen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung trinken unter den 18- bis 25-jährigen Frauen nur noch 18,2 Prozent regelmäßig. Bei den Männern sind es 38,8 Prozent – der niedrigste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen in den 1970er-Jahren.
Doch auch im Berufsleben oder auf Geburtstagen bekommt man immer häufiger eine alkoholfreie Variante von Wein oder Sekt angeboten.
Alkoholfreier Sekt im Aufwind: Zahlen und Gründe für den Boom
Das spiegeln auch die Verkaufszahlen wider: Alkoholfreie Getränkealternativen haben in den letzten Jahren einen deutlichen Aufschwung erlebt. Während alkoholfreies Bier schon lange in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, hinkte der Markt für alkoholfreie Weine und Schaumweine lange hinterher.
Das hat sich spätestens seit Anfang der 2020er-Jahre geändert. Der Markt für alkoholfreien Sekt wächst rasant: In den letzten Jahren stieg der Absatz teilweise um mehr als 30 Prozent pro Jahr. Alkoholfreie Schaumweine erreichen mittlerweile einen Marktanteil von über sieben Prozent. Bei den Weinen sind es zwar erst rund zwei Prozent, doch Experten sehen auch hier großes Wachstumspotenzial.
Zu den Gründen gehören neue Empfehlungen und ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein. Ein zentraler Punkt: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellte 2023 klar: Es gibt keine gesundheitlich unbedenkliche Menge Alkohol. Selbst kleine Mengen gelten nicht als risikofrei. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung betont, dass selbst geringer Alkoholkonsum gesundheitliche Schäden verursachen kann.
Verbraucher scheinen das zunehmend zu berücksichtigen. Gleichzeitig sorgen ein höherer Bekanntheitsgrad alkoholfreier Weingetränke und der verbesserte Geschmack für zusätzlichen Schub.
Wie alkoholfreier Wein hergestellt wird
Alkoholfreier Wein und Schaumwein werden aus normalem Wein hergestellt, dem anschließend der Alkohol entzogen wird. Ziel ist es, den Geschmack möglichst zu erhalten. Alkoholfreier Wein schmeckt oft anders, weil Alkohol ein wichtiger Geschmacksträger ist. Mit ihm gehen auch flüchtige Aromen verloren.
Das erste Patent zur Entalkoholisierung von Wein wurde bereits 1908 vergeben – an Carl Jung aus Rüdesheim. Er erfand die Vakuumdestillation. Dieses Verfahren ist bis heute die wichtigste Methode zur Herstellung von alkoholfreiem Wein.
Durch das Vakuum wird die Siedetemperatur von Alkohol auf etwa 30 Grad gesenkt. In einem kontinuierlichen Verfahren wird der Alkoholdampf abgeleitet und durch Abkühlen wieder verflüssigt. Der Alkoholanteil lässt sich so deutlich und vor allem schonend reduzieren. Eine Weiterentwicklung dieser Methode ist die sogenannte „Spinning Cone Column“.
Andere Verfahren wie das Membranverfahren oder die Umkehrosmose – hierbei wird der Alkohol im Grunde aus dem Getränk herausgefiltert – werden hauptsächlich eingesetzt, um den Alkoholgehalt sehr starker Weine zu reduzieren. Zur vollständigen Entalkoholisierung eignen sie sich weniger.
Warum alkoholfreier Wein oft anders schmeckt
Über Geschmack lässt sich streiten. Doch dass alkoholfreier Wein und Schaumwein in den letzten Jahren deutlich besser geworden sind, darüber sind sich Konsumenten und Experten weitgehend einig. Viele Produkte haben mit dem früher oft kritisierten „Traubensaft-Geschmack“ kaum noch etwas zu tun.
Alkoholfreier Sekt hat dabei einen Vorteil: Die zugesetzte Kohlensäure sorgt für ein ausgewogeneres Geschmackserlebnis. Auch alkoholfreie Weine sind deshalb oft leicht prickelnd.
Wie gut schmeckt alkoholfreier Wein heute?
Ein weiterer Faktor ist die Qualität der Grundweine. Früher wurden häufig eher einfache Weine entalkoholisiert. Heute gilt: Je besser der Ausgangswein, desto besser das Ergebnis. Denn je aromatischer der Wein ist, desto mehr davon bleibt auch nach dem Alkoholentzug erhalten.
Da durch den Entzug die wahrgenommene Süße verloren geht, setzen Hersteller zudem auf weniger saure Ausgangsprodukte oder gleichen nach.
Wichtig zu wissen: Besonders süße Produkte sind oft keine klassischen alkoholfreien Weine, sondern sogenannte Traubensaft-Seccos. Dabei wird Traubensaft mit Kohlensäure und teilweise weiteren Aromen versetzt.
Neben spezialisierten Unternehmen forschen auch Einrichtungen wie die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau oder die Hochschule Geisenheim weiter an Verbesserungen. Im Fokus stehen Fragen wie geeignete Rebsorten, bessere Aromastabilität und passende Süßungsmethoden.
Ohne nachträgliches Süßen, etwa durch Traubenmost, wäre alkoholfreier Wein oft deutlich zu sauer.
Ist alkoholfreier Wein wirklich alkoholfrei?
Wichtig zu wissen: Viele alkoholfreie Schaumweine und Weine sind nicht vollständig alkoholfrei. Die rechtliche Regelung lautet:
- Alkoholfrei: Diese Weine dürfen maximal 0,5 Volumenprozent Alkohol enthalten. Gleiches gilt für alkoholfreies Bier. Zum Vergleich: Auch in Fruchtsaft kann Alkohol in kleinen Mengen enthalten sein – maximal 0,38 Volumenprozent.
- 0,0 % oder „zero“: So gekennzeichnete Produkte dürfen maximal 0,049 Volumenprozent Alkohol enthalten und sind damit praktisch alkoholfrei.
Beide Varianten gelten als gesundheitlich vorteilhaft. Aufgrund ihres teilweise hohen Zuckergehalts sollte man sie jedoch eher bewusst genießen, denn sie sind nicht automatisch kalorienarm.
Menschen, die aufgrund einer Alkoholsucht verzichten, raten Experten davon ab, auf alkoholfreie Alternativen auszuweichen. Schon der ähnliche Geschmack kann einen Rückfall begünstigen. Auch Kindern sollten keine alkoholfreien Getränke angeboten werden, damit sie sich nicht frühzeitig daran gewöhnen.