Eine unscheinbare Wildpflanze könnte künftig helfen, um gegen viele Antibiotika resistenten Bakterien vorzugehen. Forschende haben entdeckt, dass Blutwurz (Potentilla erecta) das Wachstum des eines gefährlichen Bakteriums hemmen kann. Darauf weist die University of Southhampton hin.
Moorpflanzen im Fokus der Forschung zu Antibiotika
Im Forschungsprojekt untersuchte das Team verschiedene Moorpflanzen auf antimikrobielle Eigenschaften und entdeckte sie schließlich bei der bekannten Heilpflanze Blutwurz. Die europäische Pflanze mit den gelben Blüten wächst in Moor- und Heidelandschaften und heißt auch Tormentill, Aufrechtes Fingerkraut, Dilledapp, Natternwurz und Siebenfinger.
Multiresistentes Bakterium: Acinetobacter baumannii
Blutwurz zeigte in der Laborstudie bei dem gegen viele Antibiotika resistenten Bakterium Acinetobacter baumannii Wirkung: Es zählt laut Weltgesundheitsorganisation zu den besonders problematischen Krankheitserregern, führt weltweit jährlich zu 50.000 Todesfällen und ist in Krankenhäusern weit verbreitet. Hier kann es besonders bei immungeschwächten Personen zu Wund-, Atemwegs- und Harnwegs-Infektionen führen.
„Wir haben herausgefunden, dass Blutwurz das Potenzial hat, die Wirksamkeit von Colistin zu steigern, seine Wirkdauer zu verlängern,“ erklärte Professor Ronan McCarthy, University of Southampton, in einer Mitteilung zur Studie. Er betonte: „Colistin ist ein Reserveantibiotikum, es ist eins unserer letzten Mittel bei der Therapie mit Antibiotika. Wenn ein Krankheitserreger dagegen resistent ist, bleiben kaum noch Möglichkeiten.“
Wie die Heilpflanze Blutwurz wirkt
Die Forschenden konnten auch klären, wie Blutwurz wirkt: Die Inhaltsstoffe Agrimonin und Ellagsäure entziehen den Bakterien Eisen und hemmen so das Wachstum. Gab das Forschungsteam wieder Eisen hinzu, wuchsen die Bakterien wieder. Außerdem: Die gesamte Pflanze, von der Wurzel über die Blätter und Blüten, enthält die wirksamen Substanzen. Zudem konnte die Wirkung bei Pflanzen aus verschiedenen Regionen Irlands nachgewiesen werden.
Tradition trifft moderne Forschung
Blutwurz wurde bereits im 19. Jahrhundert gegen Beschwerden wie Zahnprobleme oder Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt. „Wir haben entdeckt, warum Blutwurz in der Historie verwendet wurde – und das war kein Zufall. Zugegeben, Blutwurz war nicht so effektiv wie moderne Medikamente, aber zum Beispiel in den 1850er Jahren waren die Optionen recht begrenzt“, erklärte Professor McCarthy. Er fügte an: Es ist noch viel zu tun, um auf Grundlage dieser Erkenntnisse neue Arzneimittel zu entwickeln, die möglicherweise einmal Patienten helfen.
Quelle: DOI 10.1099/mic.0.001675