Ein neuer Urintest könnte die Behandlung von Harnwegsinfekten deutlich beschleunigen. Statt mehrere Tage auf Laborergebnisse zu warten, zeigt das Verfahren innerhalb weniger Stunden, welches Antibiotikum wirkt. Entwickelt wurde die Methode von Forschenden der University of Reading gemeinsam mit Partnern – darauf weist die University of Reading hin.
So funktioniert der neue Urintest bei Blasenentzündung
Das Prinzip ist vergleichsweise einfach: Eine Urinprobe einer Person mit etwa einer Blasenentzündung wird direkt untersucht, ohne dass Bakterien zunächst im Labor gezüchtet werden müssen. Die Probe kommt in eine Kartusche mit feinen Röhrchen, die jeweils unterschiedliche Antibiotika enthalten. Anschließend wird mittels optischer Messungen beobachtet, ob Bakterien wachsen oder nicht. Wird das Wachstum gestoppt, gilt das Antibiotikum als wirksam. Wachsen die Bakterien weiter, hilft es nicht. Dieses Verfahren liefert laut Studie im Schnitt nach rund 5,85 Stunden ein Ergebnis.
Schneller zur passenden Behandlung des Harnwegsinfekts
Bisher dauert es meist zwei bis drei Tage, bis klar ist, welches Antibiotikum geeignet ist. In dieser Zeit erhalten Patientinnen und Patienten häufig zunächst ein Mittel „auf Verdacht“. Laut Dr. Oliver Hancox kann es passieren, dass „ein Patient seine Antibiotika bereits eingenommen hat oder solche erhalten hat, die nicht wirken.“ Ein schneller Test könnte daher helfen, die Behandlung früher gezielt anzupassen.
Hohe Übereinstimmung mit Standardmethoden
In der Untersuchung wurden 352 Urinproben analysiert. Der neue Test stimmte in 96,95 Prozent der Fälle mit der bisherigen Referenzmethode überein. Eine zusätzliche Analyse zum Einfluss eines Konservierungsmittels mit 90 Proben zeigte eine noch höhere Übereinstimmung von 98,75 Prozent – unabhängig davon, ob das Mittel zum Einsatz kam.
Bedeutung für Therapie und Resistenzen
Harnwegsinfekte gehören zu den häufigsten Gründen für Antibiotikaverschreibungen. Ein schnelleres Ergebnis könnte dazu beitragen, früher die passende Therapie zu wählen. Laut Professor Mike Lewis hat die Methode „das Potential, schneller, wirksamere Therapien zu liefern“. Das könnte ein Baustein sein, um das Problem zunehmender Antibiotikaresistenzen zu adressieren. Die Studie hat diese Methode nun getestet. Wann und ob sie in Deutschland zum Einsatz kommt, ist noch eine Frage der Zukunft.
Quelle: DOI 10.1093/jacamr/dlag035