Schlaf ist die beste Medizin, sagt der Volksmund. Wie bei vielen Sprichwörtern steckt auch in dieser Volksweisheit ein Körnchen Wahrheit: Der Mensch braucht das richtige Maß an erholsamem Schlaf, damit seine Abwehrkräfte optimal arbeiten.

Seit einigen Jahren mehren sich die Hinweise, dass es eine Verbindung zwischen Schlaf und Immunsystem gibt. So weiß man, dass …
… zu wenig Schlaf anfällig für Infektionen macht.
In einer Studie aus dem Jahr 2009 erhielten gesunde Erwachsene ein harmloses Erkältungsvirus in die Nase geträufelt. Je kürzer und weniger erholsam ihr Schlaf war, umso eher bekamen sie eine Erkältung.
… bei Ausgeschlafenen Impfungen besser wirken.
Wer im Durchschnitt weniger als sechs Stunden täglich schläft, bei dem wirkt beispielsweise die Impfung gegen Hepatitis B meistens nicht so gut wie bei Personen, die durchschnittlich länger als sieben Stunden schlafen. Das ergab eine kleine Studie aus dem Jahr 2012 mit 40- bis 60-Jährigen aus Pennsylvania/USA.
… zu viel Schlaf für Erwachsene ebenso ungünstig ist wie zu wenig.
Sowohl zu kurzer − fünf Stunden und weniger − als auch zu langer Schlaf − ab neun Stunden − erhöht das Risiko, an einer Lungenentzündung zu erkranken, um etwa das Anderthalbfache. Das ergab eine Studie aus den Jahren 2001 bis 2005 mit rund 57.000 US-amerikanischen Krankenschwestern.
Lässt man Menschen über einen längeren Zeitraum nur kurz schlafen, sind die Auswirkungen auf das Immunsystem enorm. Unter anderem nimmt die Menge verschiedener Abwehrzellen ab (Leukozyten und Monozyten), Killerzellen sind weniger aktiv, und es wird weniger Interleukin-2 produziert. Das ist ein Wachstumsfaktor, den Killerzellen zur Reifung brauchen. Außerdem nehmen Entzündungsanzeiger zu und die Milz wird leichter.
Genforscher der Universität von Kalifornien in San Francisco/USA haben im Mai dieses Jahres zwei Erbgutfaktoren − Gene − beschrieben, die gleichzeitig das Immunsystem und das Schlafverhalten beeinflussen. Eines dieser Gene ist auch Teil der biologischen Uhr, die in jedem Menschen tickt.
Derzeit wird vermutet, dass Immunzellen die innere Uhr als Taktgeber brauchen. Die geringere Körpertemperatur während des Schlafes und in dieser Zeit freigesetzte Signalstoffe könnten Abwehrzellen koordiniert "in Stimmung" für ihre Arbeit bringen. Fehlender oder schlechter Schlaf kann die inneren Rhythmen verschiedener Teile des Immunsystems aus dem Takt bringen, vergleichbar einem Orchester, dem der Dirigent fehlt.
Heike Thiesemann-Reith
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