Dunkle Augenringe, blasse Haut, müder Blick: Auf TikTok gelten solche Merkmale als Hinweise auf leere Eisenspeicher. Doch wie viel verrät das Gesicht tatsächlich über einen Eisenmangel? Eine Wissenschaftlerin erklärt, was hinter dem Trend „Ferritin Face“ steckt.

Auf TikTok und anderen sozialen Netzwerken verbreitet sich der Begriff „Ferritin Face“. Dahinter steckt die Behauptung, dass ein niedriger Ferritinwert sichtbare Spuren im Gesicht hinterlässt. Manche Nutzer berichten sogar, dass sich ihr Hautbild deutlich verbessert habe, nachdem sie ihre Eisenspeicher aufgefüllt hatten.
Ferritin ist ein Eiweiß, das Eisen im Körper speichert. Sein Wert im Blut gibt Aufschluss darüber, wie gut die Eisenspeicher gefüllt sind.
Doch kann man einen Eisenmangel wirklich an Augenringen und blasser Haut erkennen? Die Ernährungswissenschaftlerin Dr. Chloe Casey von der Bournemouth University in England hat den Trend auf der Wissenschaftsplattform „The Conversation“ eingeordnet.
Hinter dem Trend steckt ein wahrer Kern: Eisen ist wichtig für die Sauerstoffversorgung, den Energiestoffwechsel und das Immunsystem. Sind die Eisenspeicher stark erschöpft, kann sich eine Blutarmut durch Eisenmangel entwickeln, eine sogenannte Eisenmangelanämie.
Mögliche Anzeichen eines Eisenmangels sind unter anderem:
Ein typisches Gesicht, an dem sich Eisenmangel eindeutig erkennen lässt, gibt es jedoch nicht. Blasse Haut kann zwar auf eine Blutarmut hindeuten. Dunkle Augenringe und ein müder Gesichtsausdruck sind dagegen keine verlässlichen Hinweise auf einen Eisenmangel. Denn solche Veränderungen können auch andere Ursachen haben, etwa Schlafmangel, Stress, Flüssigkeitsmangel, hormonelle Veränderungen oder andere Nährstoffmängel.
Ob tatsächlich ein Eisenmangel vorliegt, lässt sich nur durch eine Blutuntersuchung feststellen. Dabei können neben dem Ferritinwert weitere Blutwerte wie Hämoglobin wichtig sein. Ein Eisenmangel kann bereits bestehen, bevor sich eine Blutarmut entwickelt.
Casey warnt davor, allein aufgrund äußerlicher Merkmale eigenständig Eisenpräparate einzunehmen. Denn zu viel Eisen kann gesundheitsschädlich sein. Häufige Nebenwirkungen von Eisenpräparaten sind Übelkeit, Bauchschmerzen, Verstopfung oder Durchfall. Bei einer schweren Überdosierung drohen auch gefährliche Vergiftungen mit Kreislaufproblemen und Leberschäden.
Die Wissenschaftlerin kritisiert außerdem, dass Gesundheitsinformationen in sozialen Medien häufig mit Werbung für Nahrungsergänzungsmittel vermischt werden. Dabei werden Eisenpräparate teilweise als schnelle Lösung für ein schöneres Hautbild beworben.
Wer seine Eisenversorgung verbessern möchte, kann auf eisenreiche Lebensmittel achten. Gute Quellen sind beispielsweise:
Eisen aus tierischen Lebensmitteln kann der Körper leichter aufnehmen als Eisen aus pflanzlichen Quellen. Vitamin C verbessert die Aufnahme von pflanzlichem Eisen. Deshalb lohnt es sich beispielsweise, zu einem Linsengericht Paprika oder ein Glas Orangensaft zu kombinieren. Tee und Kaffee können dagegen die Eisenaufnahme hemmen, wenn man sie zu den Mahlzeiten trinkt. Bei einem nachgewiesenen Eisenmangel reicht eine Ernährungsumstellung allerdings nicht immer aus. Ob Eisenpräparate nötig sind, sollte ein Arzt entscheiden.
Besonders Menschen mit einem erhöhten Risiko für Eisenmangel, etwa bei starker Menstruation, in der Schwangerschaft oder bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, sollten mögliche Beschwerden ärztlich abklären lassen. Das gilt auch bei anhaltender Müdigkeit, auffälliger Blässe oder Atemnot bei Belastung. Eine Blutuntersuchung kann zeigen, ob die Eisenspeicher tatsächlich leer sind.
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