Ein neuer Wirkstoff könnte die Behandlung von Menschen mit Multipler Sklerose (MS) verbessern. In zwei großen Studien verringerte Remibrutinib die Zahl der Krankheitsschübe um rund ein Drittel gegenüber einem bereits zugelassenen Medikament. Auch neue Entzündungsherde im Gehirn traten deutlich seltener auf.

An den beiden internationalen Studien nahmen insgesamt 2.007 Erwachsene mit schubförmiger Multipler Sklerose teil. Bei dieser Erkrankung greift das Immunsystem Strukturen des zentralen Nervensystems an. Dadurch können unter anderem Sehstörungen, Muskelschwäche und Probleme beim Gehen auftreten.
Die Forschenden verglichen den neuen Wirkstoff Remibrutinib mit dem etablierten MS-Medikament Teriflunomid. Remibrutinib gehört zu den sogenannten BTK-Hemmern, die das Enzym Bruton-Tyrosinkinase blockieren und bestimmte Immunzellen beeinflussen, die an Entzündungsprozessen bei MS beteiligt sind. Unter Remibrutinib war die jährliche Schubrate um 31 bis 35 Prozent niedriger. Neue oder vergrößerte Entzündungsherde im Gehirn traten um 65 bis 70 Prozent seltener auf.
Die Ergebnisse deuten außerdem darauf hin, dass Remibrutinib das Fortschreiten körperlicher Einschränkungen verlangsamen könnte. Unter Teriflunomid nahm die Behinderung bei 10,5 Prozent der Behandelten zu, unter Remibrutinib dagegen nur bei 7,7 Prozent. Allerdings ist dieser Vorteil statistisch noch nicht ausreichend abgesichert. Ob er langfristig bestehen bleibt, müssen weitere Untersuchungen zeigen.
Auch bei der Verträglichkeit schnitt Remibrutinib günstig ab – insbesondere im Hinblick auf die Leber. Bei anderen BTK-Hemmern waren in großen MS-Studien Leberschädigungen aufgetreten, was deren weitere Entwicklung erheblich erschwerte. Bei Remibrutinib zeigte sich dieses Problem bislang nicht: Erhöhungen der Leberwerte waren selten, vorübergehend und vollständig rückläufig. Zudem traten sie seltener auf als unter Teriflunomid. Kein einziger Fall erfüllte die Kriterien einer schweren medikamentenbedingten Leberschädigung. Allerdings kam es unter Remibrutinib häufiger zu leichten Blutungen, etwa Blutergüssen oder kleinen Hauteinblutungen (12,7 gegenüber 6,7 Prozent).
„Erst die Kombination aus hoher Wirksamkeit und einem günstigen Sicherheitsprofil macht einen Wirkstoff für die Langzeitbehandlung einer chronischen Erkrankung wie der MS tauglich“, sagt Prof. Heinz Wiendl vom Universitätsklinikum Freiburg, der das internationale Studienprogramm wissenschaftlich mitgeleitet hat.
Remibrutinib wird als Tablette eingenommen. Für die Behandlung der Multiplen Sklerose ist der Wirkstoff bislang nicht zugelassen. Der Hersteller Novartis plant jedoch, auf Grundlage der Studienergebnisse eine entsprechende Zulassung zu beantragen.
Quelle: DOI 10.1016/S0140-6736(26)02058-1
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