Wer eine Impfung gegen Covid-19 und Grippe benötigt, kann beide Impfungen am selben Termin bekommen. Neue Studiendaten bestätigen, dass dies grundsätzlich möglich ist. Vorübergehende Impfreaktionen können allerdings häufiger oder stärker ausfallen. Eine neue große Metaanalyse liefert nun zusätzliche Daten zur Sicherheit und Immunantwort.

Inzwischen liegen mehrere Studien zur gleichzeitigen Impfung gegen Covid-19 und Grippe vor. Eine US-Studie mit 335 Teilnehmern zeigte, dass mäßige oder stärkere Impfreaktionen wie Fieber, Schüttelfrost, Muskel- oder Gelenkschmerzen bei gleichzeitiger Impfung nicht häufiger auftraten als bei zeitlich getrennten Impfungen. Auch die Immunantwort gegen SARS-CoV-2 unterschied sich nicht wesentlich.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine aktuelle Metaanalyse von neun randomisierten Studien mit insgesamt 4.776 Teilnehmern: Typische Impfreaktionen unterschieden sich nicht signifikant zwischen gleichzeitiger und zeitlich getrennter Impfung, schwerwiegende unerwünschte Ereignisse waren selten. Diese Analyse wurde bislang allerdings nur als Kongressbeitrag veröffentlicht.
Eine im September 2026 veröffentlichte größere Metaanalyse wertete 52 Studien zur gleichzeitigen Grippeimpfung mit Covid-19- oder anderen Impfstoffen aus. Die Immunantwort auf die Grippeimpfung wurde dadurch nicht messbar beeinträchtigt. Bei gleichzeitig verabreichten Covid-19-Impfstoffen fiel der Anstieg der Antikörpertiter etwas geringer aus. Über alle untersuchten Impfstoffkombinationen hinweg traten schwerwiegende unerwünschte Ereignisse statistisch häufiger auf. Die absolute Risikodifferenz betrug jedoch nur 1,56 Prozentpunkte.
Die Autoren raten selbst zu einer vorsichtigen Interpretation, unter anderem weil unterschiedliche Impfstoffkombinationen in die Auswertung eingeflossen sind. Aus dem Ergebnis lässt sich deshalb kein entsprechend erhöhtes Risiko speziell für die Kombination aus Corona- und Grippeimpfung ableiten.
Dass einzelne Menschen nach zwei Impfungen am selben Tag stärkere Beschwerden verspüren, lässt sich durch diese Ergebnisse nicht ausschließen. Das Robert Koch-Institut (RKI) weist ausdrücklich darauf hin, dass Impfreaktionen bei der gleichzeitigen Gabe zweier Impfstoffe häufiger und teilweise ausgeprägter auftreten können. Dazu gehören Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle sowie vorübergehende Beschwerden wie Fieber, Müdigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen.
Das RKI hält die gleichzeitige Impfung dennoch weiterhin für möglich. Besonders bei einer Kombination der Covid-19-Impfung mit anderen Totimpfstoffen einschließlich Influenza-Hochdosis-Impfstoffen sollen Ärzte über mögliche verstärkte lokale und allgemeine Impfreaktionen aufklären.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) erlaubt weiterhin die gleichzeitige Impfung gegen Covid-19 und Influenza, sofern für beide Impfungen eine Indikation besteht. Ein bestimmter zeitlicher Abstand ist nicht erforderlich. Die Impfstoffe sollen in unterschiedliche Gliedmaßen gespritzt werden.
Allerdings müssen beide Impfungen nicht zwangsläufig zum selben Zeitpunkt erfolgen. Die saisonalen Verläufe von Covid-19 und Influenza unterscheiden sich derzeit. Das RKI empfiehlt die Covid-19-Impfung deshalb möglichst im Spätsommer oder Frühherbst, die Grippeimpfung im Herbst oder Winter. Stehen beide Impfungen zum gleichen Zeitpunkt an, können sie weiterhin bei einem Termin verabreicht werden.
Quellen: DOI 10.1001/jamanetworkopen.2024.43166; 10.1093/ofid/ofaf695.1772; 10.1038/s41541-026-01548-z; RKI Influenza Empfehlung; RKI-Covid-FAQ
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