Bei Kindern und Jugendlichen mit Magersucht kann die Familie eine wichtige Rolle für die Genesung spielen. In der familienbasierten Therapie übernehmen Eltern zunächst viel Verantwortung für die Ernährung ihres Kindes – und geben diese später schrittweise zurück.

Bei der sogenannten familienbasierten Therapie (Family-Based Treatment, FBT) werden Eltern oder andere enge Bezugspersonen intensiv in die Behandlung einbezogen. Fachleute des Children’s Hospital Los Angeles erläutern, dass die Eltern bei Kindern und Jugendlichen mit Magersucht zunächst die Verantwortung für Mahlzeiten und Nahrungsaufnahme übernehmen. Dabei werden sie von Fachleuten angeleitet und begleitet. Ziel ist es, eine ausreichende Ernährung sicherzustellen und problematische Verhaltensweisen zu durchbrechen.
Auch in Deutschland spielt die Einbeziehung der Familie eine wichtige Rolle: Die deutsche S3-Leitlinie zu Essstörungen empfiehlt bei Kindern und Jugendlichen mit Magersucht eine familienbasierte Therapie als ambulante Psychotherapie der ersten Wahl. Bei Bulimia nervosa (Bulimie) wird dagegen vorrangig die kognitive Verhaltenstherapie empfohlen; eine familienbasierte Therapie kommt ebenfalls infrage.
Zu Beginn übernehmen die Eltern weitgehend die Verantwortung für die Ernährung und Gewichtszunahme ihres Kindes. Sie kaufen ein, bereiten Mahlzeiten zu und begleiten ihr Kind beim Essen und bei Zwischenmahlzeiten. Dadurch sollen Verhaltensweisen wie Essensverweigerung, Essanfälle, Erbrechen oder zwanghaftes Sporttreiben unterbrochen werden.
In der zweiten Phase erhält das Kind nach und nach wieder mehr Kontrolle über seine Ernährung. Voraussetzung dafür ist, dass sich das Gewicht erholt und problematische Verhaltensweisen deutlich zurückgegangen sind. Die Eltern lernen, wie viel Unterstützung weiterhin nötig ist, wie sie mit möglichen Rückschlägen umgehen und ein angemessenes Gleichgewicht zwischen Kontrolle und Selbstständigkeit finden können.
Kann das Kind ein für seine weitere Entwicklung angemessenes Gewicht halten, ziehen sich die Eltern zunehmend aus der Steuerung der Ernährung zurück. In der dritten Phase rückt dann die normale Entwicklung der Jugendliche stärker in den Mittelpunkt. Dazu können die Stärkung einer positiven Identität, Beziehungen zu Gleichaltrigen und die Vorbeugung von Rückfällen gehören. Ziel ist es, die Verantwortung wieder altersgerecht an den jungen Menschen zurückzugeben.
Eine familienbasierte Therapie wird in der Regel ambulant durchgeführt. Es gibt jedoch Situationen, in denen eine intensivere oder stationäre Behandlung notwendig sein kann. Dazu zählen beispielsweise eine starke Gewichtsabnahme, erhebliches Untergewicht, körperliche Komplikationen oder schwere psychische Begleiterkrankungen. Eine ambulante familienbasierte Therapie ersetzt daher keine Klinikbehandlung, wenn das Kind medizinisch oder psychiatrisch gefährdet ist.
Eine Behandlung sollte möglichst früh beginnen. Gerade bei Kindern und Jugendlichen können Essstörungen Wachstum und körperliche Entwicklung beeinträchtigen. Eine schwere Mangelernährung wirkt sich auf den gesamten Körper aus. Zu den möglichen langfristigen Folgen einer Essstörung zählen Schäden am Herz-Kreislauf-System, geschwächte Knochen, ein Verlust von Muskelmasse, Fruchtbarkeitsstörungen und chronische Verdauungsbeschwerden.
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