Männer mit Essstörungen und Muskelsucht: Therapeuten aus den USA und Kanada berichten von eigenen Wissenslücken und Unsicherheiten.

Ambulante Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten aus USA und Kanada haben deutliche Wissenslücken und ihnen fehlt das Selbstvertrauen, wenn es um den Umgang mit Essstörungen oder Muskeldysmorphie, auch bekannt als „Muskelsucht“, bei Jungen und Männern geht. Das berichteten rund 260 Fachkräfte einem Forschungsteam. Die Studie ist im Fachjournal „Eating Disorders“ erschienen. Daten zu Krankenhausaufenthalten und zur Häufigkeit in der Bevölkerung belegen demnach einen starken Anstieg dieser Störungen in ganz Nordamerika und international.
Obwohl viele Therapeutinnen und Therapeuten Jungen und Männer mit entsprechenden Problemen behandeln, fühlen sich viele nicht ausreichend vorbereitet:
Ein möglicher Grund: Essstörungen bei Männern spielen in Ausbildung und Fortbildung bislang oft nur eine geringe Rolle. Dabei zeigt die Studie: Wer eine entsprechende Schulung absolviert hat, profitiert davon in der Praxis und fühlt sich sicherer.
Auch muskelorientierte Themen wie „Bulking“, „Cutting“ oder exzessives Training kommen in der Ausbildung kaum vor, obwohl sie in der Praxis häufig auftreten. Als Bulking bezeichnet man die Phase des Muskelaufbaus, bei der Bodybuilder viele Kalorien zu sich nehmen. Beim späteren Cutting wird das überschüssige Körperfett wieder abgebaut, um die Muskeln zu definieren.
Die Befragten formulieren klar den Fortbildungsbedarf zu Risikofaktoren, Symptomverläufen, stärkerem Zuschnitt der Behandlungen auf männliche Erfahrungen und Hindernissen wie Scham oder Stigmatisierung, um das gezielt ansprechen zu können. In Augen des Forschungsteams könnten mit einer besseren Ausbildung bzw. Fortbildungen Diagnostik und Versorgung gestärkt sowie Unterdiagnosen und Behandlungsverzögerungen vermieden werden.
Allerdings hebt es hervor: Überraschenderweise rufen nur wenige nach Schulungen zur Beziehungsgestaltung zwischen Therapeuten und Patienten. Dabei suchen Jungen und Männer generell seltener Hilfe und brechen ihre Therapien häufiger ab.
DOI: 10.1002/eat.70079
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