Nach einer durchzechten Nacht fehlen plötzlich ganze Stunden in der Erinnerung. Ein solcher Filmriss kann gefährlicher sein, als viele denken. Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass alkoholbedingte Gedächtnislücken bei jungen Menschen auch mit Veränderungen der Gehirnentwicklung zusammenhängen.

Wer nach einer Party einen Filmriss hat, war währenddessen nicht unbedingt bewusstlos. Betroffene können sich unterhalten, tanzen oder nach Hause gehen, ohne sich am nächsten Morgen daran zu erinnern. Der Grund: Alkohol stört die Speicherung neuer Erinnerungen im Gehirn.
Besonders betroffen ist der Hippocampus, eine Hirnregion, die für das Gedächtnis wichtig ist. Wissenschaftler unterscheiden zwischen lückenhaften Erinnerungen und einem vollständigen Filmriss. Bei Letzterem werden Erlebnisse überhaupt nicht dauerhaft gespeichert. Die Erinnerung lässt sich dann auch später nicht wiederherstellen.
Wie ernst alkoholbedingte Filmrisse zu nehmen sind, verdeutlicht eine US-Studie aus dem Jahr 2024. Forscher untersuchten über sechs Jahre die Gehirnentwicklung von 800 Jugendlichen und jungen Erwachsenen. 213 Teilnehmer hatten bereits mindestens einen alkoholbedingten Filmriss erlebt.
Das Ergebnis: Bei Teilnehmern mit Filmrissen entwickelten sich bestimmte Hirnregionen, darunter der Hippocampus, weniger stark. Der Zusammenhang zeigte sich auch unter Berücksichtigung des allgemeinen Alkoholkonsums. Ob die Filmrisse selbst zu den Veränderungen beitragen, lässt sich aus der Studie allerdings nicht ableiten.
Besonders wahrscheinlich werden Gedächtnislücken, wenn der Alkoholspiegel im Blut schnell steigt. Das passiert etwa beim Rauschtrinken oder wenn jemand auf nüchternen Magen größere Mengen Alkohol trinkt. Auch bestimmte Schlaf- und Beruhigungsmittel erhöhen das Risiko.
Ein Filmriss kann schwerwiegende Folgen haben. Betrunkene können Gefahren schlechter einschätzen, sich verletzen oder in riskante Situationen geraten. Eine australische Langzeitstudie zeigte zudem, dass Jugendliche mit zunehmenden Filmrissen später häufiger eine Alkoholkonsumstörung entwickelten.
Ein einzelner Filmriss bedeutet allerdings nicht automatisch, dass jemand alkoholabhängig ist. Das US-amerikanische National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism (NIAAA) empfiehlt dennoch, bereits einen solchen Vorfall ernst zu nehmen und den eigenen Alkoholkonsum zu überdenken. Wer wiederholt Erinnerungslücken erlebt, sollte ärztlichen Rat suchen.
Quelle: DOI 10.1016/j.dcn.2024.101448
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