Forscher haben Daten von mehr als 500.000 Erwachsenen in China ausgewertet. Die Ergebnisse, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Nature Medicine, deuten darauf hin, dass Alkoholkonsum mit einem erhöhten Risiko für insgesamt 61 Krankheiten verbunden ist. Darunter waren 28 Erkrankungen, die bereits von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als alkoholbedingt eingestuft werden. Die Studie fand Zusammenhänge mit 33 weiteren Krankheiten, die bislang nicht zu den von der WHO als alkoholbedingt eingestuften Erkrankungen zählten.
Welche Krankheiten stehen mit Alkohol in Verbindung?
Zu den Krankheiten, die bislang weniger stark mit Alkohol in Verbindung gebracht wurden, gehören beispielsweise:
- Grauer Star (Katarakt)
- Gicht
- Lungenkrebs
- Magengeschwüre
- Refluxkrankheit
- verschiedene Knochenbrüche
Zu den bereits bekannten alkoholbedingten Erkrankungen zählen unter anderem:
- Leberzirrhose
- Schlaganfall
- Krebs im Magen-Darm-Bereich
Die Studie untersuchte insgesamt 207 Krankheiten.
Bestimmte Trinkgewohnheiten erhöhen das Risiko zusätzlich
Nicht nur die Menge war entscheidend. Bei Männern waren tägliches Trinken, Rauschtrinken und Alkoholkonsum außerhalb von Mahlzeiten mit zusätzlichen Risiken verbunden. Wer täglich trank, hatte bei gleicher Gesamtmenge ein höheres Risiko für alkoholbedingte Krebserkrankungen und Leberzirrhose als Männer, die nicht täglich Alkohol konsumierten.
Mehr Alkohol, höheres Krankheitsrisiko
Die Auswertung ergab einen dosisabhängigen Zusammenhang: Mit steigender Alkoholmenge nahm auch das Krankheitsrisiko zu.
Nach Berechnungen der Forscher erhöhte sich das Risiko für bekannte alkoholbedingte Krankheiten pro vier alkoholische Getränke täglich um 14 Prozent. Für weitere untersuchte Erkrankungen lag der Anstieg bei 6 Prozent. Besonders stark fiel der Zusammenhang bei Leberzirrhose und Gicht aus.
Keine Hinweise auf einen schützenden Effekt für das Herz
Immer wieder wird diskutiert, ob geringe Mengen Alkohol das Herz schützen könnten. In dieser Studie fanden die Forscher dafür keine Hinweise. Ein möglicher Vorteil bei einem Konsum von ein bis zwei Getränken pro Tag ließ sich nicht beobachten.
Was die Ergebnisse bedeuten
Die Untersuchung liefert weitere Hinweise darauf, dass Alkoholkonsum mit einer größeren Zahl von Krankheiten verbunden sein könnte als bislang angenommen. Dennoch lassen sich nicht für jede einzelne Krankheit endgültige Ursache-Wirkungs-Beziehungen beweisen. Außerdem tranken in der untersuchten Bevölkerung nur sehr wenige Frauen regelmäßig Alkohol, weshalb die Aussagen vor allem für Männer gelten.
Die Ergebnisse passen zu einer zunehmend strengeren Bewertung von Alkohol durch die WHO. Diese betont seit 2023, dass es aus gesundheitlicher Sicht keine risikofreie Menge Alkohol gibt.
Quelle: DOI 10.1038/s41591-023-02383-8