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Gürtelrose-Impfung: Hinweise auf Vorteile für Herz und Gehirn

Pharmazeutische ZeitungRüdiger Freund  |  15.09.2026 15:07 Uhr

Die Impfung gegen Gürtelrose könnte mit einem geringeren Risiko für Demenz und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sein. Das zeigen neue Studien. Einen ursächlichen Schutz belegen die Daten jedoch nicht.

Älterer Mann betrachtet seinen Oberarm mit Pflaster.
Die Gürtelrose-Impfung wird in Deutschland allen Erwachsenen ab 60 Jahren empfohlen.
© Wavebreakmedia/iStockphoto

Neue Untersuchungen liefern Hinweise darauf, dass der rekombinante Gürtelrose-Impfstoff einen zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen haben könnte. Geimpfte Menschen erkrankten seltener an Demenz. In einer weiteren Studie war ihre Belastung durch bestimmte Herz-Kreislauf-Erkrankungen geringer. Beide Ergebnisse stammen jedoch aus Beobachtungsdaten.

Weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach rekombinanter Impfung

Für die erste Untersuchung nutzten Forscher einen Wechsel der Impfstoffe in den USA: Ab Ende 2017 ersetzte der rekombinante Zoster-Impfstoff rasch den zuvor verwendeten Lebendimpfstoff.

Verglichen wurden jeweils 36.460 Menschen ab 60 Jahren. Die eine Gruppe war zwischen April und September 2017 geimpft worden, die andere im entsprechenden Zeitraum des Jahres 2018. Im Jahr 2017 hatten 98,6 Prozent den Lebendimpfstoff erhalten. Ein Jahr später waren 93,5 Prozent mit dem rekombinanten Impfstoff geimpft worden.

Während einer Nachbeobachtung von bis zu sieben Jahren war die kardiovaskuläre Krankheitslast in der überwiegend rekombinant geimpften Gruppe 9 Prozent geringer. Der kombinierte Endpunkt umfasste ischämische Herzerkrankungen, Herzinsuffizienz und ischämische Schlaganfälle.

Bei ischämischen Herzerkrankungen betrug der Unterschied 10 Prozent, bei Herzinsuffizienz 12 Prozent. Auch Vorhofflimmern trat mit einer um 7 Prozent geringeren Krankheitslast auf. Ein statistisch signifikanter Zusammenhang mit weniger ischämischen Schlaganfällen zeigte sich hingegen nur bei Männern.

Besonders ausgeprägt war der Zusammenhang in der ersten Hälfte des Beobachtungszeitraums. Danach schwächte er sich ab. Die Ergebnisse veröffentlichte die Fachzeitschrift „Nature Medicine“.

Demenzdiagnosen bei Geimpften seltener

Eine zweite Untersuchung umfasste mehr als eine halbe Million Menschen ab 66 Jahren. Sie waren zwischen 2017 und 2022 in mehr als 5.500 Pflegeeinrichtungen in den USA aufgenommen worden und hatten zu Beginn noch keine Demenzdiagnose. Von ihnen erhielten 8.843 mindestens eine Dosis des rekombinanten Gürtelrose-Impfstoffs.

Innerhalb von vier Jahren wurde bei 18,8 Prozent der Geimpften eine Demenz festgestellt. Unter den Ungeimpften waren es 24,6 Prozent. Nach der statistischen Anpassung entsprach dies einem rund 24 Prozent geringeren Risiko für eine Demenzdiagnose.

Die Forscher errechneten daraus theoretisch einen verhinderten Demenzfall je 17 geimpfte Personen. Dieser Wert ist jedoch keine nachgewiesene Schutzwirkung. Über die Studie berichteten die „Annals of Internal Medicine“.

Warum die Studien keinen ursächlichen Schutz beweisen

Bei beiden Untersuchungen handelte es sich nicht um randomisierte klinische Studien. Deshalb bleibt offen, ob die Impfung selbst für die Unterschiede verantwortlich war.

In der Demenzstudie waren die Geimpften beispielsweise im Durchschnitt etwas jünger und gesünder als die Ungeimpften. Solche Unterschiede wurden statistisch berücksichtigt, weitere Einflussfaktoren lassen sich bei der Auswertung vorhandener Gesundheitsdaten aber nicht vollständig ausschließen.

Als mögliche Erklärungen für die Herz-Kreislauf-Ergebnisse diskutieren die Studienautoren die Verhinderung von Gürtelrose-Erkrankungen und weitere immunologische Effekte des rekombinanten Impfstoffs. Ob die Impfung tatsächlich direkt vor Demenz oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen kann, müssen randomisierte klinische Studien klären.

Welcher Gürtelrose-Impfstoff wird in Deutschland verwendet?

In Deutschland kommt derzeit ein rekombinanter Totimpfstoff zum Einsatz. Die Impfserie besteht aus zwei Dosen. Die STIKO empfiehlt sie als Standardimpfung für alle Menschen ab 60 Jahren. Seit Ende 2025 gilt sie außerdem als Indikationsimpfung ab 18 Jahren, wenn wegen einer Immundefizienz oder einer schweren chronischen Grunderkrankung ein erhöhtes Gürtelrose-Risiko besteht. 

Der in der Vergangenheit angewendete Lebendimpfstoff ist in Deutschland nicht mehr verfügbar. Sein Vertrieb wurde 2024 eingestellt; seit Juni 2025 besitzt er auch keine EU-Zulassung mehr. 

Quellen:

DOI: 10.1038/s41591-026-04606-0
DOI: 10.7326/ANNALS-25-04689

Informationen des Robert Koch-Instituts zur Gürtelroseimpfung

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