In Herbst und Winter reicht das Sonnenlicht oft nicht aus, damit die Haut genügend Vitamin D bildet. Doch wer braucht deshalb ein Präparat? Ein Endokrinologe erklärt, für wen die Einnahme sinnvoll ist und welche Dosierungen Experten empfehlen. Vor hoch dosierten Vitamin-D-Kapseln warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung.

Bestimmte Menschen haben ein erhöhtes Risiko für einen Vitamin-D-Mangel. Bei ihnen kann eine zusätzliche Einnahme sinnvoll oder sogar notwendig sein. Laut Privatdozent Dr. Stephan Scharla aus Bad Reichenhall reicht eine gesunde Lebensweise bei einigen Risikogruppen allein nicht aus, um den Vitamin-D-Bedarf zu decken. Bei einer Online-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) nannte er folgende Personengruppen:
Ob und in welcher Dosierung Vitamin D zusätzlich eingenommen werden sollte, hängt vom individuellen Risiko und möglichen Erkrankungen ab. Insbesondere bei chronischen Erkrankungen oder der Einnahme bestimmter Medikamente sollte die Supplementierung ärztlich abgestimmt werden.
Gesunde Erwachsene zwischen 18 und 60 Jahren benötigen nach Einschätzung Scharlas normalerweise kein zusätzliches Vitamin D. Im Sommer kann der Körper durch Sonnenlicht ausreichende Mengen bilden und einen Vorrat für die dunklere Jahreszeit anlegen.
Die niedrigsten Vitamin-D-Spiegel werden typischerweise im Februar und März gemessen, wenn die körpereigenen Reserven zurückgegangen sind. Ob niedrigere Werte im Winter bei ansonsten gesunden Menschen überhaupt eine krankhafte Bedeutung haben, sei allerdings nicht sicher, erklärte der Endokrinologe.
Wer seine Vitamin-D-Versorgung im Winter ergänzen möchte, sollte nach Scharlas Einschätzung ein täglich niedrig dosiertes Präparat bevorzugen. In der Praxis würden häufig 1000 Internationale Einheiten (I. E.) beziehungsweise 25 Mikrogramm Vitamin D pro Tag eingesetzt.
Der Endokrinologe nannte eine tägliche Dosierung von 800 bis maximal 3000 I. E. als möglichen Bereich. Diese Spanne ist jedoch keine allgemeine Empfehlung zur Selbstmedikation. Die individuell geeignete Dosis hängt unter anderem davon ab, ob ein Vitamin-D-Mangel vorliegt.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel eine deutlich niedrigere Höchstmenge von 20 Mikrogramm beziehungsweise 800 I. E. pro Tagesdosis. Diese Menge reicht nach Angaben des Instituts auch ohne körpereigene Vitamin-D-Bildung aus, um den Bedarf der großen Mehrheit der Bevölkerung zu decken.
Scharla sprach sich für Vitamin-D-Präparate aus der Apotheke aus und verwies auf die Bedeutung verlässlicher Inhaltsstoff- und Dosierungsangaben.
Von der eigenständigen Einnahme hoch dosierter Vitamin-D-Präparate in größeren zeitlichen Abständen rät das BfR ab. In einer Stellungnahme aus dem Jahr 2025 warnt das Institut vor möglichen gesundheitlichen Risiken solcher Bolusgaben. Ein Beispiel sind Nahrungsergänzungsmittel mit 20.000 I. E. beziehungsweise 500 Mikrogramm Vitamin D, die alle 20 Tage eingenommen werden sollen. Bei Menschen, die bereits gut mit Vitamin D versorgt sind, können dadurch Blutkonzentrationen erreicht werden, die in Studien mit gesundheitlichen Risiken in Verbindung gebracht wurden.
Dazu zählt unter anderem ein möglicherweise erhöhtes Risiko für Stürze und Knochenbrüche. Die Studienlage ist allerdings nicht einheitlich: Während einige Untersuchungen solche Risiken beobachteten, fanden andere weder eindeutige Schäden noch einen gesundheitlichen Zusatznutzen.
Ein weiteres Problem sieht das BfR in möglichen Einnahmefehlern. Präparate, die nur alle sieben, zehn oder 20 Tage eingenommen werden sollen, könnten versehentlich häufiger angewendet werden. Dadurch steigt das Risiko einer Überdosierung. Wer Vitamin D ergänzen möchte, sollte deshalb nach Empfehlung des BfR ein niedriger dosiertes Präparat für die tägliche Einnahme wählen.
Die Warnung bezieht sich ausdrücklich auf Nahrungsergänzungsmittel. Vitamin-D-Arzneimittel können bei bestimmten Erkrankungen oder einem nachgewiesenen Mangel auch in höheren Dosierungen und anderen Einnahmeabständen ärztlich verordnet werden.
Quelle: Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie e.V.
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