Sonne tut gut – auch im Winter. Doch braucht unsere Haut an kalten, hellen Tagen wirklich immer Sonnencreme? Fachleute erklären, wann Sonnenschutz sinnvoll ist, wie der UV-Index bei der Orientierung hilft und warum Vitamin D in den Wintermonaten eine besondere Rolle spielt.

In den Monaten von März bis Oktober ist Sonnenschutz mit ausreichend hohem Lichtschutzfaktor (LSF) für die Haut unverzichtbar. Darauf weist Professorin Dr. Christiane Bayerl, Direktorin der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Helios Kliniken Wiesbaden, hin. UV-Strahlung gilt als wichtiger Auslöser vorzeitiger Hautalterung und sollte konsequent abgeblockt werden.
Für die Wintermonate sieht Bayerl die Situation anders. Die UV-Strahlung sei in unseren Breitengraden dann deutlich schwächer. “Die Strahlungsintensität ist hierzulande im Winter viel zu gering, um sich vor Sonnenbrand schützen zu müssen”, erklärte sie. In ihrer Praxis empfehle sie Sonnenschutz daher erst wieder ab dem Frühjahr. Ausnahmen gelten etwa bei Pigmentstörungen wie einem Melasma oder bei Aufenthalten im Hochgebirge, etwa beim Skifahren.
Da die Stärke der UV-Strahlung schwer einzuschätzen ist, raten Fachleute zur Orientierung am UV-Index. Er berücksichtigt Faktoren wie Bewölkung, Sonnenstand und Ozonschicht. Laut Bundesamt für Strahlenschutz sind Schutzmaßnahmen erst ab einem UV-Index von 3 sinnvoll. Solche Werte werden im Winter im Flachland kaum erreicht, in höheren Lagen dagegen durchaus.
Ein dauerhaft sehr hoher Lichtschutzfaktor ist nicht immer sinnvoll. “Damit belastet man die Haut unnötig mit Fremdsubstanzen und unterdrückt die Vitamin-D-Synthese unnötig stark”, sagte Bayerl. Auch Privatdozent Dr. Stephan Scharla, Facharzt für Innere Medizin und Endokrinologie in Bad Reichenhall, betonte, dass UV-B-Strahlen für die körpereigene Vitamin-D-Bildung notwendig sind. Im Winter komme diese in unseren Breitengraden allerdings ohnehin nahezu zum Erliegen.
Nach Angaben Scharlas bauen gesunde Menschen im Sommer Vitamin-D-Reserven auf, von denen sie im Winter zehren. Die niedrigsten Spiegel würden meist im Februar oder März erreicht. “Es ist zudem gar nicht belegt, ob niedrige Vitamin-D-Spiegel im Winter überhaupt eine krankhafte Bedeutung haben”, so der Experte.
Gesunde Erwachsene zwischen 18 und 60 Jahren benötigen in der Regel keine Vitamin-D-Supplemente. Eine vorsorgliche Einnahme sei jedoch unbedenklich: “Im Winter kann man bedenkenlos etwa 25 µg (1000 I. E.) täglich einnehmen.” Er riet zu täglich dosierten Präparaten aus der Apotheke.
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