Plastikproduktion: Forschung sieht wachsendes Gesundheitsrisiko

Dr. Karen Zoufal  |  04.02.2026 08:35 Uhr

Auch die Herstellung von Plastik belastet die Gesundheit. Forschende erklären, wie die Krankheitslast durch Plastik weltweit stark steigen könnte.

Eine Frau mit bunten Fingernägeln trinkt aus einer Plastikflasche.
Am Beispiel einer Plastikflasche erklärte eine Forscherin die Herstellung von Plastik und verbundener Gesundheitsrisiken.
© Vladimir Gappov/iStockphoto

Die Gesundheitsgefährdung durch Plastikmüll und die Plastikproduktion wird weltweit voraussichtlich deutlich steigen. Davor warnen Forschende in der Fachzeitschrift The Lancet Planetary Health. Modellrechnungen zeigen: Setzt sich der derzeitige Umgang mit Plastik fort, könnten sich die durch Krankheiten verlorenen Lebensjahre bis zum Jahr 2040 auf 4,5 Millionen summieren.

Gesundheitliche Auswirkungen analysiert

Untersucht wurden die gesundheitlichen Auswirkungen entlang des gesamten Lebenswegs von Plastik – von der Förderung von Erdöl und Erdgas über die industrielle Verarbeitung bis hin zur Entsorgung auf Mülldeponien.

Plastik und Gesundheit: Krankheitslast mehr als verdoppelt

Den Berechnungen zufolge wird sich die gesamtgesellschaftliche Krankheitslast durch Plastik zwischen 2016 und 2040 mehr als verdoppeln: Die Zahl der Lebensjahre, die durch vorzeitigen Tod oder wegen Krankheit eingeschränkter Lebensqualität verloren gingen, würde demnach von 2,1 auf 4,5 Millionen steigen.

Den größten Anteil daran haben klimaschädliche Treibhausgas-Emissionen aus der Plastikproduktion, gefolgt von Luftverschmutzung und giftigen Chemikalien. Dabei wurden Folgeschäden durch Aspekte wie Mikroplastik oder Chemikalien, die aus Lebensmittelverpackungen austreten, noch nicht einmal berücksichtigt.

Plastikwasserflasche: Von der Rohölförderung bis zur Mülldeponie 

Am Beispiel einer Plastikwasserflasche lässt sich die Problematik gut nachvollziehen, erklärt Megan Deeney von der London School of Hygiene & Tropical Medicine: Wie bei über 90 Prozent aller Kunststoffe beginnt die Herstellung mit der Gewinnung von Erdöl und Erdgas. Die fossilen Brennstoffe werden in mehreren chemischen Schritten zu Polyethylenterephthalat (PET) umgewandelt, aus dem die Flasche hergestellt wird. 

„Krebs-Allee“ mit vielen petrochemischen Anlagen

Deeney weist darauf hin, dass es in den USA eine Region mit über 200 petrochemischen Anlagen gibt, die als „Cancer Alley“ (zu Deutsch: „Krebs-Allee“) bekannt ist. Danach folgen oft lange Transportwege in ein Geschäft. Schließlich landet sie im Müll oder wird achtlos weggeworfen. Trotz Recyclingbemühungen landet der Großteil des Plastiks auf Mülldeponien, wo es sich nach Jahrhunderten zersetzt und dabei Chemikalien freisetzt, so Deeney.

Recycling macht kaum einen Unterschied

Die Forschenden modellierten ein Szenario, in dem die Welt Bemühungen gegen die Unmengen an Plastik ergreift. Dabei stellte sich heraus, dass Plastikrecycling kaum einen Unterschied machen würde. Die effektivste Maßnahme sei die Reduzierung der Menge an „unnötigem“ Plastik von vornherein, mahnte Deeney. Gespräche über ein weltweit erstes Abkommen zur Bekämpfung der Plastikverschmutzung scheiterten im vergangenen August jedoch am Widerstand der Ölförderländer.

Quelle: DOI 10.1016/j.lanplh.2025.101406

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