Ein häufig vorkommendes Bakterium namens Chlamydia pneumoniae verursacht Lungenentzündung und Nasennebenhöhlenentzündungen. Laut einer aktuellen Studie in dem Fachblatt „Nature Communications“ kann es jahrelang im Auge und Gehirn verbleiben und Alzheimer verschlimmern. Das birgt aber auch Potenzial für neue Behandlungsansätze.
Die Studie zeigt erstmals, dass Chlamydia pneumoniae die Netzhaut des Auges erreichen kann, wo es Immunreaktionen auslöst, die mit Entzündungen, dem Absterben von Nervenzellen und geistigem Abbau in Verbindung stehen.
So lief die Studie ab
Die Forschenden hatten 104 Personen untersucht und deutlich höhere Mengen von Chlamydia pneumoniae in der Netzhaut und im Gehirn von Menschen mit Alzheimer gefunden als bei Menschen mit normaler Gehirnfunktion. Je mehr Bakterien vorhanden waren, desto schwerwiegender waren die von den Forschern beobachteten Hirnveränderungen und der geistige Abbau. Höhere Bakterienkonzentrationen kamen auch häufiger bei Menschen mit der APOE4-Genvariante vor, einem bekannten Risikofaktor für Alzheimer.
Bakterien spiegeln den Verlauf einer Alzheimer-Erkrankung wider
„Der konsistente Nachweis von Chlamydia pneumoniae in menschlichen Geweben, Zellkulturen und Tiermodellen ermöglichte es uns, einen bisher unbekannten Zusammenhang zwischen bakterieller Infektion, Entzündung und Neurodegeneration aufzudecken“, sagte Prof. Dr. Maya Koronyo-Hamaoui von der Cedars-Sinai Health Sciences University in Los Angeles in einer Mitteilung zur Veröffentlichung. „Diese Studie zeigt, dass bakterielle Infektionen und chronische Entzündungen der Netzhaut das Krankheitsgeschehen im Gehirn widerspiegeln und den Verlauf vorhersagen können.“
Die Beobachtungen ließen sich im Labor und in Tierversuchen bestätigen
Die Forscher untersuchten außerdem menschliche Nervenzellen und Mäuse mit Alzheimer. In beiden Fällen führte eine Infektion mit Chlamydia pneumoniae zu mehr Entzündungen, dem Absterben von Nervenzellen und bei den Mäusen zu einem beschleunigten geistigen Verfall. Die Infektion löste zudem die Produktion von Amyloid-beta aus, einem Protein, das sich im Gehirn von Alzheimer-Patienten ansammelt.
Erkenntnisse lassen auf bessere Diagnostik und Behandlung hoffen
Die Ergebnisse deuten an, dass die Behandlung chronischer bakterieller Infektionen bei Alzheimer sinnvoll sein könnte. Außerdem sind möglicherweise Untersuchungen der Netzhaut für die Diagnose und Überwachung der Erkrankung von Nutzen.
Quelle: DOI 10.1038/s41467-026-68580-4