Die Nervenerkrankung Gürtelrose geht oft mit starken Schmerzen einher, die einen normalen Alltag nahezu unmöglich machen. Dies bestätigt die erwähnte Umfrage. Von den Befragten, die bereits an Gürtelrose erkrankt waren, berichten jeder Zweite von starken, den Alltag störenden Schmerzen. Mehr als ein Drittel gab an, dass Gürtelrose sie daran hinderte, zu arbeiten oder an gesellschaftlichen Veranstaltungen teilzunehmen. In Deutschland und acht weiteren Ländern wurden bis zu 500 Personen im von 50 bis 60 Jahren mit chronischen Krankheiten befragt.
Gürtelrose tarnt sich als Hautkrankheit, ist aber eine schmerzhafte Nervenerkrankung. Diese wird durch die Reaktivierung des Windpocken-Erregers ausgelöst. Mehr als 95 Prozent der Personen ab 60 Jahren hatten bereits Windpocken und tragen dadurch das Virus in sich. Eine von drei Personen erkrankt im Laufe des Lebens an Gürtelrose.
Chronisch Erkrankte im Mittelpunkt
Menschen mit chronischen Erkrankungen, aber auch mit starkem Stress, besitzen nicht nur per se ein erhöhtes Risiko, an Gürtelrose zu erkranken. Oft verschlechtert die Infektion zusätzlich den Verlauf ihrer Grunderkrankung. So destabilisiert eine Gürtelrose etwa bei Diabetes häufig den Blutzucker. Viele Betroffene wissen nichts von diesen Zusammenhängen, wie die Umfrage zeigt. Zwar befürchten zwei Drittel der Befragten einen Krankenhausaufenthalt im Zusammenhang mit Gürtelrose und drei Viertel negative Auswirkungen auf ihren Alltag. Gleichzeitig glaubt ein Drittel, dass ihre chronische Erkrankung keinen Einfluss auf das Immunsystem oder das Gürtelrose-Risiko hat.
Eine zentrale Rolle bei der Gürtelrose-Aufklärung spielt, so die Umfrage weiter, die Arztpraxis. Fast die Hälfte der Befragten würden über die Erkrankung sprechen, wenn ihre Ärztin oder ihr Arzt das Thema aufgreift. Das gilt besonders für Menschen mit Diabetes, chronischen Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Leiden. Den aktuell noch zu geringen Stellenwert der Gürtelrose-Vorsorge in ärztlichen Praxen verdeutlicht auch der Barmer Arzneimittelreport 2025. Dieser zeigt, dass es teils große Unterschiede zwischen den Arztpraxen gibt. Er fordert eine intensivere Aufklärung und eine stärkere Integration der Gürtelrose-Vorsorge in die ärztliche Routineversorgung.
Impfempfehlung erweitert
Diese Einschätzung teilt auch Allgemeinmediziner Dr. Markus Frühwein anlässlich der Präsentation der Studie in München. „Die Ergebnisse zeigen sehr klar, wie groß das Vertrauen der Patientinnen und Patienten in ihre behandelnden Ärztinnen und Ärzte ist. Viele wünschen sich aktivere Empfehlungen, und genau hier liegt eine große Chance“, betonte der Münchener Mediziner. „Wenn wir das Thema Gürtelrose-Vorsorge stärker in unsere Gespräche integrieren, erreichen wir die Menschen genau dort, wo sie Vertrauen haben, und Gesundheitsentscheidungen treffen.“
Gleichzeitig sei es aber auch wichtig, dass Patientinnen und Patienten selbst das Thema Vorsorge mitdenken und im Arztgespräch aktiv ansprechen, gerade weil Gürtelrose keine Saison hat und jederzeit ausbrechen kann. Angesichts der Häufigkeit und möglichen Schwere der Erkrankung lohne es sich unbedingt, sich mit Gürtelrose auseinanderzusetzen, sich zu informieren und bei Gelegenheit das Gespräch in der Hausarztpraxis zu suchen. Dort wird auch auf die Möglichkeit einer Impfung hingewiesen. Diese empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut jedem Erwachsenen ab 60 sowie chronisch Erkrankten ab dem 18. Lebensjahr.