Probiotika in Säuglingsnahrung sollen das Immunsystem stärken und Infektionen vorbeugen. Doch wie belastbar sind diese Versprechen? Eine aktuelle Bewertung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) ordnet den Nutzen solcher Zusätze neu ein.

Wirkt sich als „probiotisch“ vermarktete Säuglingsnahrung positiv auf die Gesundheit des Kindes aus? Dafür sieht das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) keine wissenschaftliche Basis. Es betont allerdings auch: unerwünschte Wirkungen hätte die Säuglings- und Folgenahrung mit angereicherten Bakterienstämmen auch nicht.
Hersteller von Säuglingsanfangs- und Folgenahrung werben teilweise mit dem Zusatz sogenannter Probiotika – bestimmten Bakterienstämmen, die positive Effekte auf die Gesundheit von Babys haben sollen. Das BfR hat nun die Sicherheit und den möglichen Nutzen solcher Produkte für gesunde Säuglinge erneut geprüft und damit seine Stellungnahme aus dem Jahr 2020 aktualisiert.
Im Fokus standen neue Studien zu den Bakterienstämmen Limosilactobacillus fermentum CECT 5716 und Limosilactobacillus reuteri DSM 17938, die derzeit in Deutschland eingesetzt werden.
Die gute Nachricht vorweg: Aus den vorliegenden Daten ergeben sich weiterhin keine Hinweise auf unerwünschte Wirkungen der untersuchten Bakterienstämme bei gesunden Säuglingen. Das BfR hält die bisher eingesetzten Probiotika damit für unbedenklich. Gleichzeitig betont das Institut, dass weitere gut geplante Studien sinnvoll wären, um die Sicherheit bei routinemäßigem Einsatz noch verlässlicher beurteilen zu können.
Beim möglichen gesundheitlichen Nutzen fällt die Bewertung zurückhaltender aus. Zwar gibt es einzelne Hinweise, etwa auf Veränderungen der Darmflora, doch ein klarer gesundheitlicher Vorteil lässt sich daraus nicht ableiten.
So zeigte eine Studie, dass Säuglinge mit einer mit L. fermentum CECT 5716 (teils kombiniert mit Galactooligosacchariden, GOS) angereicherten Nahrung nicht seltener Durchfall hatten als Babys mit herkömmlicher Säuglingsnahrung. Auch für andere beworbene Effekte fehlen derzeit ausreichende wissenschaftliche Belege.
Für L. reuteri DSM 17938 gibt es laut BfR lediglich Hinweise auf einen Nutzen bei Koliken, allerdings nur bei gestillten Säuglingen, wenn der Bakterienstamm als Tropfen oder ölige Suspension verabreicht wird. Für nicht gestillte Kinder oder für den Zusatz in Säuglingsnahrung liegen keine überzeugenden Belege vor.
Insgesamt bleibt das BfR bei seiner bisherigen Einschätzung: Säuglingsanfangs- und Folgenahrung mit probiotischen Zusätzen bietet für gesunde Säuglinge keinen nachgewiesenen gesundheitlichen Vorteil gegenüber herkömmlichen Produkten. Eltern können daher beruhigt sein: Eine ausgewogene Standard-Säuglingsnahrung ist für gesunde Babys weiterhin gut geeignet.
Quelle: DOI 10.17590/20260203-092326-0
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