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Depressionen und Angst: Warum regelmäßige Bewegung wichtiger sein könnte als hartes Training

Wolf Löchel  |  13.10.2026 09:56 Uhr

Wie oft man sich bewegt, könnte für die psychische Gesundheit entscheidender sein als die Dauer oder Intensität des Trainings. Bei mehr als 10.000 jungen Erwachsenen fanden Forscher einen auffälligen Zusammenhang mit Depressionen und Angststörungen. Besonders deutlich war er bei Menschen, die sich kaum bewegten.

Junger Mann und junge Frau joggen
Wie häufig sich junge Erwachsene bewegen, könnte für die psychische Gesundheit besonders wichtig sein.
© PeopleImages/iStockphoto

In einer norwegischen Studie hatten junge Erwachsene, die sich häufiger bewegten, ein Jahr später seltener eine Depression oder generalisierte Angststörung. Besonders auffällig war die Regelmäßigkeit: Sie hing stärker mit der späteren psychischen Gesundheit zusammen als Dauer oder Intensität der einzelnen Bewegungseinheiten.

Mehr als 10.000 junge Erwachsene ein Jahr lang untersucht

Ein Forschungsteam der Western Norway University of Applied Sciences wertete Daten von mehr als 10.000 Studierenden im Alter von 18 bis 35 Jahren in Norwegen aus. Zu Beginn gaben die Teilnehmer an, wie oft, wie intensiv und wie lange sie sich pro Woche bewegten.

Als Bewegung zählten beispielsweise Spazierengehen, Skifahren, Schwimmen oder andere sportliche Aktivitäten. Die Forscher erfassten auch die Intensität: von leichter Bewegung, bei der man weder schwitzte noch außer Atem kam, über Bewegung mit Schwitzen und Kurzatmigkeit bis hin zu sehr anstrengender Aktivität fast bis zur Erschöpfung. Ein Jahr später folgte eine standardisierte Befragung zu Angst und Depression.

Wer sich häufiger bewegt, hat seltener Depressionen und Angst

Den stärksten Zusammenhang fanden die Forscher bei der Häufigkeit: Am deutlichsten zeigte sich der Zusammenhang bei Menschen, die kaum körperlich aktiv waren. Verglichen mit täglicher Bewegung war das Risiko für Depression und/oder generalisierte Angststörung bei Frauen, die sich nie oder seltener als einmal pro Woche bewegten, ein Jahr später um 15 Prozent erhöht. Bei Männern lag es um 33 Prozent höher. Bereits bestehende psychische Belastungen und andere mögliche Einflussfaktoren hatten die Forscher dabei statistisch berücksichtigt. Wie regelmäßig jemand aktiv war, fiel stärker ins Gewicht als Dauer oder Intensität einzelner Einheiten.

Das spricht dafür, bei Bewegung für die psychische Gesundheit nicht allein auf besonders lange oder anstrengende Trainingseinheiten zu schauen. Die Studie kann allerdings nicht zeigen, dass häufigere Bewegung tatsächlich vor Depressionen oder Angststörungen schützt.

Frauen und Männer profitieren offenbar unterschiedlich

Bei Dauer und Intensität der Bewegung unterschieden sich die Ergebnisse zwischen Männern und Frauen. Bei Frauen war sehr intensive Bewegung mit günstigeren Ergebnissen verbunden als leichte Bewegung. Bei Männern waren längere Einheiten mit günstigeren Ergebnissen verbunden als kürzere.

Daraus lässt sich nicht ableiten, dass kurze oder leichte Bewegung ungünstig ist. Mit zunehmender wöchentlicher Bewegungszeit nahm die Wahrscheinlichkeit für Depressionen und Angststörungen in der Untersuchung ab.

So viel Bewegung empfiehlt die WHO pro Woche

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen unabhängig von den Ergebnissen dieser Studie mindestens 150 bis 300 Minuten Bewegung mit moderater Intensität pro Woche. Alternativ nennt sie 75 bis 150 Minuten intensive Bewegung oder eine entsprechende Kombination aus beidem.

Die norwegische Untersuchung deutet darauf hin, dass neben der gesamten Bewegungszeit auch eine weitere Frage interessant sein könnte: wie regelmäßig man körperlich aktiv ist.

Kann regelmäßige Bewegung Depressionen und Angst verhindern?

Das lässt sich anhand dieser Studie nicht beantworten. Die Untersuchung zeigt einen Zusammenhang, kann aber keine Ursache nachweisen. Denkbar ist auch die umgekehrte Richtung: Beginnende depressive Beschwerden oder Ängste könnten dazu führen, dass Betroffene sich weniger bewegen.

Für die Autoren ergibt sich aus den Ergebnissen dennoch ein Ansatz für die Gesundheitsförderung an Hochschulen. „Unsere Ergebnisse machen deutlich, wie wichtig es ist, körperliche Aktivität zu einem zugänglichen und natürlichen Teil des Studienlebens zu machen“, schreiben sie.

Quelle: DOI 10.1371/journal.pone.0353787

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